Winterfreuden!

Winterfreuden!

4. Januar 2026 0 Von Manfred Raub

Von Karl-Heinz Reif aus den Margarethenhöher Notizen

Es ist schon sprichwörtlich: „Der Winter ist auch nicht mehr das, was er früher einmal war!“ – Rodeln oder Schlittschuhlaufen gehört mittlerweite zu den seltenen Erlebnissen, und das nicht nur in der Stadt. Jetzt ist wieder die Jahreszeit gekommen, wo der Wintersport seine Saison hat. Wenn ich dabei an meine Jugendzeit zurückdenke, an die Jahre vor dem letzten Krieg, so sind mir die Rodelpartien gut in Erinnerung. Auf der Margarethenhöhe gab eine ganze Reihe beliebter Rodelbahnen, die von der Jugend stets stark frequentiert wurden. Dabei wurde jedes auch noch so kleine Gefälle ausgenutzt. Groß war jedes Mal der Ärger, wenn die Streukommandos anrückten und die gerade „auf Hochglanz“ gebrachte Bahn mit Sand bestreut wurde.

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Schneeballschlacht an der Waldlehne, ca. 1930. Postkarte aus meiner Sammlung

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Die Rodelstrecken

Der Hohlweg vom Bunker bis zur Brandsmühle,

der Schleifkottenweg von der Zahnarztpraxis bis kurz vor dem Bahndamm,

der Waldweg von Bauer Barkhoff bis zum Friedhofseingang,

die Steile Straße von der Sommerburgstraße bis zum Lehnsgrund bzw. Bauer Barkhoff,

die Altenau von der Jugendherberge bis zum Karpfenteich.

Dies waren die wichtigsten Rodelstrecken – sicherlich gab es hier und da noch kleine und kleinste Bahnen ohne sonderliche Bedeutung. So auf dem Südwest-Friedhof gleich der erste Weg hinter dem Eingang bei Bauer Barkhoff: hier musste man schon aufpassen, dass man nicht in dem Bach landete. Beliebt, aber auch verboten war die Steilstrecke des Hohlweges vom Rembrandtplatz bis zur Brandsmühle. Hier ist einmal ein Junge zu Tode gekommen. Deshalb wurde uns Kleinen eingetrichtert, dort ja nicht zu rodeln. Dort rodelten auch nur die „Großen“, die so etwa 18 oder 19 Jahre alt waren. Sie hatten sich aus Gasrohren lenkbare Bobs zusammengeschweißt. Es hat auch Rodelbetrieb vom zweiten Waldeingang bis zur Brandsmühle gegeben. Wegen des geringen Gefälles aber nur mit „Nachhilfe“. Diese Bahn musste immer erst hergerichtet werden, das heißt die Bahn musste erst richtig „eingefahren“ werden und da unter der Unterführung kein Schnee lag musste erst mühsam Schnee dorthin gebracht werden.

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Rodelvergnügen 1955 am Ende des Hohlwegs, auf der sog. „Kollerwiese“. Foto aus Margarethenhöher Notizen

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Unsere „Hausbahn“

Unsere „Hausbahn“ war das Stück Steile Straße vom Blumengeschäft Bergmann bis zum Lehnsgrund. Hier war für etwa achtzig Prozent Endstation. War aber die Bahn richtig „eingefahren“ und hatte man das richtige Gespann – zwei zusammengebundene Schlitten mit dem richtige Ballast – so kam man auch schon mal bis zu Bauer Barkhoff. Krönung war jedes Mal, wenn man vor dem Torbogen von Bauer Barhoff in den Waldweg einbiegen und bis zum Friedhofseingang durchfahren konnte. Das Abbiegen in den Waldweg war gar nicht so einfach, denn man musste schon Glück haben, dass sich an der Abzweigung keine Rodler befanden, welche die Durchfahrt behinderten. Oft genug passierte es, dass man mit dem richtigen Schwung ankam, dann aber im letzten Moment geradeaus zu Barkhoff durchfahren musste, weil andere Rodler im Weg standen, obwohl man laut „Brennhooolz“ schrie, was als Warnung gedacht war.

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Aus dem Jahr 1974 stammt dieses Foto – an ähnlicher Stelle aufgenommen wie das vorherige Bild. Am linken Bildrand sieht man das Schild „Rodelstraße“, aufgestellt von der Stadt Essen um die Durchfahrt für Fahrzeuge zu sperren. Foto: Slg. Manfred Raub mit Dank an M. Brosch

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Rodelvergnügen bis zum Abend

So hatten wir unser Rodelvergnügen bis nach Einbruch der Dunkelheit. Die weit verbreitete Anweisung und Anordnung „wenn die Laternen angesteckt werden, kommst du nach Hause“, wurde nur allzu oft unterlaufen. Behinderung durch Autoverkehr konnte man damals vergessen. Wenn dann wirklich einmal ein Auto kam, erscholl der Ruf „Auutooo!“ und man hielt inne um den Störenfried vorbei zu lassen. Ab und an kam auch schon mal ein Streukommando und warf feinen Split auf die Bahn. Dann wurde einfach ein Besen geholt und die Bahn wieder freigefegt. Auch wenn ein Schutzmann kam, wurde der Rodelbetrieb eingestellt. Alles stand dann einfach in der Gegend herum und wartete geduldig ab, bis dem Beamten die Warterei zu dumm wurde und verschwand. Sofort ging der Rodelbetrieb weiter. Schade, dass die heutige Jugend kaum noch Gelegenheit hat, den Rodelsport mit der Intensität zu betreiben, wie wir es damals konnten. Dafür sorgen der Straßenverkehr und nicht zuletzt das Wetter – offen bleibt die Frage, ob das Interesse heute noch vorhanden ist!