Kreativ zwischen Zirbenholz und Leinen

Kreativ zwischen Zirbenholz und Leinen

10. Januar 2023 6 Von Sonja Mersch

Wenn man durch die Tür kommt, bimmelt ein Glöckchen. Gardinen und Plissees hängen an den Wänden, Kerzenleuchter und Spiegel thronen auf den Regalen. Aber auch selbst genähte Wimpelketten und pastellfarbene Leinenkissen zieren seit einiger Zeit die Auslagen und bringen frischen Wind in ein eigentlich sehr traditionelles Geschäft: Bei Raumausstatter Janssen am Kleinen Markt ist die nächste Generation schon mit eingezogen. Tochter Janine Aarts stellt seit einem Jahr die Produkte ihrer kleinen Firma „Wimpees“ vor: selbst genähte und personalisierte Leinenkissen, gefüllt mit Spänen aus Zirbenholz. Zirbe – das ist eine Kiefernart, deren ätherische Öle sich positiv auf Schlaf, Nervensystem und Herzfrequenz auswirken können, erklärt Janine Aarts – „ähnlich wie Lavendel, nur dass der Duft neutraler ist“.

Geschenke zur Geburt

Die Kissen sind individuell bedruckt mit einer speziellen Technik, die sich Janine Aarts selbst angeeignet hat: dem Lavendeldruck. Viele Stunden Handarbeit stecken in einem Kissen, das sie zusammen mit Zirbenholz-Greifling und Schmusetuch in einem süßen Köfferchen arrangiert – zum Beispiel als Geburtsgeschenk. „Ich habe es schon immer geliebt, den Babys meiner Freundinnen individuell gestaltete Geschenke zu überreichen“, so Janine Aarts. Dass sie irgendwann ein eigenes Business daraus machen würde, hätte sie allerdings nie gedacht.

Von der Autoverkäuferin zur kreativen Naturliebhaberin

Kaum zu glauben, dass Janine Aarts ursprünglich mal als Groß- und Außenhandelskauffrau im Bereich Bodenbeläge ins Berufsleben gestartet ist, Autos verkauft hat und später Filialleiterin einer Modekette war. „Die Wende kam für mich, als ich für einige Zeit nach Tirol gezogen bin und dort durch viel Sport und manche Gipfeltour entdeckt habe, was alles in mir steckt“, erzählt sie. „Ich habe die Natur lieben gelernt und gemerkt, mit wie wenig man ein wunderschönes Leben haben kann.“ Zurück in der Heimat entwickelte sie dann zunächst den Wunsch, beruflich mit Menschen zu arbeiten, studierte soziale Arbeit und war mehrere Jahre in der Familienhilfe tätig.

Zirbenspäne aus der Schreinerei des Cousins

Zwischenzeitlich verheiratet und selbst Mutter eines Sohnes, ging dann die Coronazeit auch an Janine Aarts nicht spurlos vorbei: „Ich empfand meine Arbeit oft als belastend und wollte mich gerne mit etwas Positivem beschäftigen“, erzählt sie. Kreativ sei sie schon immer gewesen, und als sie gesehen habe, wie andere über die Plattform Etsy Geld damit verdienen, habe sie sich gesagt: Das kann ich auch. Über ihren Cousin, einen Möbelbauer in Essen-Frillendorf, kam sie mehr zufällig an Zirbenholzspäne und kleine Holzstücke – Restprodukte aus dessen Schreinerei. Und so sei die Idee mit den Kissen und Greiflingen entstanden. In ihrem Mann, einem Produktdesigner, hatte sie den perfekten Partner für ihr neues Vorhaben – und so wurde ein paar Jahre nach Söhnchen Wim und unzähligen Recherchen, Probearbeiten und auch manchen Frustmomenten, das Label „Wimpees“ geboren.


Kissen mit Lavendeldruck

Da sie ausschließlich Naturmaterialien verwenden wollte, habe sie sich für feines Leinen nach Ökotex-Standard entschieden, „das ist auch das beste Material, damit sich die ätherischen Öle der Zirbenspäne voll entfalten können“, erklärt sie. Eine Kissenseite wird dann noch mit kuscheligem Walkfrottee bezogen. Und statt Motivfolie gibt es Lavendeldruck: Janine Aarts entwirft eigene Motive oder welche auf Wunsch, scannt die selbst gemalten Aquarellvorlagen ein, druckt sie spiegelverkehrt aus uns legt die Drucke auf ein Stoffpatch. Dann träufelt sie Lavendelöl darauf, wodurch sich die Druckfarbe auf den Stoff überträgt. 100 Prozent Handarbeit, die ihr richtig viel Freude macht. Und mit der sie allmählich in den Laden ihrer Eltern mit einsteigen kann.

Raumausstatter mit langer Tradition

Das kleine Geschäft mit den schönen Rundbögen-Schaufenstern gibt es schon richtig lange: Seit mehr als 30 Jahren gehört es Raumausstatter Peter Janssen und seiner Frau, und auch vorher war dort ein Raumausstatter drin. „Schlossmann war das“, erzählt Janine Aarts, die damals noch mit ihren Eltern am Hohen Weg gewohnt hat. „Es war immer der geheime Wunsch meines Vaters gewesen, eines Tages dieses Geschäft zu übernehmen. Und dann wurde sein Traum wahr.“ Auch ihre Mutter habe sich von Anfang an eingebracht, etwa mit selbst gestalteten Gestecken aus Kunstblumen oder Dekoobjekten wie Windlichtern und Figuren aus Salzteig. Seit Janine Aarts im Laden mitmischt, hilft ihre Mutter ihr ebenfalls. „Sie siebt oft die Zirbenholzspäne für mich, aber sie greift auch aktuelle Trend gestaltet zum Beispiel Dekoreifen in ihrem eigenen Stil.“


Gespannt, wie sich „Wimpees“ entwickeln wird

Noch gehört der Laden ihren Eltern, noch gibt es Plissees und Gardinen neben den handgemachten „Wimpees“-Sachen. „Aber ich bin so glücklich, hier mit drin zu sein“, sagt Janine Aarts. Wohin die Reise gehe, wisse sie noch nicht – „Wimpees“ gebe es ja erst seit einem Jahr, ihre Produkte würden bisher gut angenommen. „Geburtsgeschenke gehen ja irgendwie immer“, sagt sie. „Aber das Unternehmen müsste natürlich soweit wachsen, dass ich irgendwann die Ladenmiete davon bezahlen könnte.“

Wollt ihr Janine Aarts mal persönlich kennenlernen oder euch ihre Sachen selbst anschauen? Vormittags könnt ihr sie meistens im Laden am Kleinen Markt antreffen, Steile Straße 42. Und hier ist ihre Internetseite.

Übrigens: Den Webshop für Wimpees hat Janines guter Freund Stephan Tunn für sie aufgebaut und ihr auch sonst von der Unternehmensgründung über den Businessplan bis hin zur Produktentwicklung zur Seite gestanden. Der Webdesigner wohnt ebenfalls auf der Margarethenhöhe und hat hier auch schon an anderen Projekten mitgewirkt – vielleicht haben wir bald einmal die Chance, ihn euch vorzustellen.

Fotos: Tanja Wuschof