Vor 70 Jahren: hoher Besuch auf der Margarethenhöhe

Manfred Raub
Manfred Raub lebt seit 1979 auf der Margarethenhöhe. Er ist Mitbegründer des Kunstkreises Margarethenhöhe und Inhaber des Ateliers am Laubenweg. Seit 2008 ist er als Gästeführer auf der Höhe unterwegs. Aus seiner umfangreichen historischen Foto- und Postkartensammlung erstellt er regelmäßig Kalender und unterstützt auch diesen Blog mit Texten und Bildern.
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Theodor Heuss beim Verlassen des Gasthaus Margarethenhöhe. Foto: Slg. Hugo Rieth
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Ein Eintrag im Gästebuch der Margarethe Krupp-Stiftung datiert vom 5. September 1956. Aus Anlaß des 50jährigen Bestehens der Stiftung besuchte Bundespräsident Theodor Heuss die Margarethenhöhe. In der NRZ erschien am nächsten Tag der folgende Artikel:
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Eintrag von Theodor Heuss im Gästebuch. Heuss, 1884 geboren, hat die Abkürzung des Monatsnamen „September“ in der von ihm in seiner Schulzeit erlernten Kurrentschrift geschrieben. Darunter hat der damalige Oberbürgermeister von Essen, Hans Toussaint, unterzeichnet. Repro: Manfred Raub
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„Bundespräsident Heuss: ,Auf der Margarethenhöhe kann man glücklich sein‘
Das alte Mütterchen, das sich mit dem Rollstuhl auf den Marktplatz der Margarethenhöhe hatte fahren lassen, musste zwölf Minuten länger warten als vorgesehen. Dann, um 16.12 Uhr erfüllte sich ihr Wunsch: Sie sah den Bundespräsidenten Professor Theodor Heuss. Aus Anlass des 50jährigen Bestehens der Margarethe-Krupp-Stiftung besuchte er gestern Nachmittag für knapp eine Stunde die Gartenstadt, die ihn mit Hunderten von Fahnen und Tausenden von Fähnchen begrüßte.
… Alle Straßen der Margarethenhöhe waren um 15.45 Uhr wie ausgestorben. Vorher: Völkerwanderung zum Marktplatz. Dort hätte man jeden Quadratmeter vermieten können. Gefragt waren Mauern, Treppen, Dachfenster, Balkons. Bis in den entlegensten Winkel war der Marktplatz belagert. Unter der Säulenhalle des Restaurants Kallenberg (Anmerkung: heute Mintrops Stadthotel m) Berthold von Bohlen und Halbach, Vorstand und Aufsichtsrat der Margarethe-Krupp-Stiftung, Vertreter der Stadtverwaltung, Ratsherren, die Geistlichen und Lehrer der Margarethenhöhe, der Bürgerausschuß, die fünfjährige Barbara Ostwald, die ein Gedichtchen aufsagen sollte, und – Blumen. … Zwei weiße Polizeikradfahrer biegen aus dem Hohen Weg auf den Marktplatz ein. Dahinter ein Mercedes mit Bundesrepublik-Stander … Im offenen Fond: Bundespräsident Theodor Heuss und Oberbürgermeister Dr. Toussaint. Ein Polizist reißt den Schlag auf, freundlich winkend steigt Heuss aus. Erste Begrüßung durch Beigeordneten Dr. Hollatz. Zweite Begrüßung durch Barbara Ostwald. Darauf haben Fotografen gewartet. Nicht aber die kleine Barbara. Unter den vielen Blitzen zuckt sie zusammen, bedeckt ihr Gesicht mit den Händen. Erschreckt. Tränen kullern. Ein begütigendes Wort ihres Patenonkels. Das Sträußchen Blumen findet doch noch seinen Abnehmer, das Gedicht doch noch einen aufmerksamen Zuhörer.
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Links: Der Bundespräsident bei der Abfahrt von der Margarethenhöhe. Rechts: Die kleine Barbara Ostwald erschreckt sich vor dem Blitzlichtgewitter. Fotos: Slg. Hugo Rieth
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Und weiter schreibt die NRZ:
Bedächtig schreitet der Bundespräsident im blaugrauen Anzug mit blauer Krawatte die Treppe zur Kaffeetafel hinauf. Hinter ihm die Schar der Ehrengäste. Zweimal tritt Heuss auf den Balkon, begrüßt von einem Kinderchor der ,Ferienspiele‘: ,Kein schöner Land in dieser Zeit.‘ Der Willkommensgruß des Oberbürgermeisters wird durch Lautsprecher auf den Marktplatz übertragen. In drei Minuten schildert er dem Bundespräsidenten die Geschichte, die Einrichtungen, die herrliche Lage der Margarethenhöhe. Theodor Heuss lässte sich das Mikrofon geben, spricht in behäbigem Schwäbisch, zunächst sehr leise: ,Dank für das feierliche Willkommen.‘ Ein donnerndes Bravo, als er erzählt, daß sein Bruder als Architekt am Aufbau der Margarethenhöhe mitgewirkt hat. … Er lobt die idyllische Lage des Vorortes, stellt die große soziale Leistung heraus, die zum Bau führte, bezeichnet sie als beispielhaft. ,Die Menschen, die hier wohnen, können glücklich und zufrieden sein.‘ Und: ,Ich bin gern hergekommen.‘ …“
Der Zeitungsbericht beschreibt diesen Besuch sehr ausführlich. Und obwohl der 5. September ein Mittwoch war, hatten sich sehr viele Bewohner eingefunden, um an diesem Tag „ihren“ Bundespräsidenten zu sehen und zu begrüßen. Einen Eindruck, wie voll die Steile Straße rund um den Marktplatz war, vermittelt ein Foto aus dieser Zeit:
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Menschenmassen in der Steilen Straße beim Besuch von Theodor Heuss auf der Margarethenhöhe. Foto: Slg. Hugo Rieth
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Das fünfzigjährige Jubiläum der Margarethe Krupp-Stiftung war ein großes Ereignis, vor allem auch deshalb, weil in diesem Jahr die Kriegsschäden weitestgehend beseitigt waren. Auch der Wiederaufbau der total zerstörten Häuser war abgeschlossen.