Serie Georg Metzendorf, Teil 2: der Deutsche Werkbund dwb

Serie Georg Metzendorf, Teil 2: der Deutsche Werkbund dwb

24. November 2025 1 Von Manfred Raub
Manfred Raub
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Manfred Raub lebt seit 1979 auf der Margarethenhöhe. Er ist Mitbegründer des Kunstkreises Margarethenhöhe und Inhaber des Ateliers am Laubenweg. Seit 2008 ist er als Gästeführer auf der Höhe unterwegs. Aus seiner umfangreichen historischen Foto- und Postkartensammlung erstellt er regelmäßig Kalender und unterstützt auch diesen Blog mit Texten und Bildern.

Postkarte der Deutschen Werkbund Ausstellung 1914 in Cöln. Zeichnung von Georg Metzendorf vom „Essener Haus im Neuen niederrheinischen Dorf“. Auch die Möbelentwürfe samt Läufermuster dazu stammten von Metzendorf, ausgestellt durch die Firma Eick Söhne, Essen. Karte: Slg. Manfred Raub

Georg Metzendorf war Mitglied im Deutschen Werkbund (dwb). „Dieser wurde 1907 vor dem Hintergrund der aufkommenden Industrialisierung mit dem Ziel gegründet, deutschen Produkten durch eine gute Gestaltung eine herausragende Position auf dem Weltmarkt zu verschaffen. Im Zusammenspiel von Kunst, Industrie und Handwerk wurden zukunftsweisende Impulse für Baukultur und Formgebung sowie übergreifende gesellschaftliche Prozesse gegeben. Die Zukunft erzeugt damals wie heute beträchtlichen neuen Gestaltungsbedarf“. (Zitat aus: www.deutscher-werkbund.de). Der dwb besteht bis heute und wirkt für ein qualitätsvolles Gestalten einer humanen Umwelt. Auch Georg Metzendorfs Enkel, Rainer Metzendorf, ist Mitglied im dwb.

Die Werkbundausstellung in Köln

Auf der im Jahr 1914 stattfindenden Deutsche Werkbund-Ausstellung in Köln nahm Georg Metzendorf mit zwei Gebäuden und einem Brunnenentwurf teil. Er errichtete das sog. „Essener Haus“ (siehe Abb. oben) und stattete es zusammen mit der Fa. Eick Söhne aus Essen komplett mit von ihm entworfenen Möbeln, Teppichen, Gardinen und Tapeten aus. Ebenso entwarf er die Schmiede im „Neuen niederrheinischen Dorf“ sowie den Dorfbrunnen, der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Brunnen auf dem Kleinen Markt aufweist.

Links: Die Dorfschmiede im Neuen Niederrheinischen Dorf auf der Kölner Werkbundausstellung 1914. Rechts: der Dorfbrunnen nach dem Entwurf von Georg Metzendorf. Die Ausführung des Brunnens stammt vom Bildhauer Paul Seiler aus Frankfurt a. M. Abbildungen aus: Das neue niederrheinische Dorf auf der Deutschen Werkbundausstellung in Köln 1914; Verlag von Ernst Wasmuth A.-G., Berlin 1915. Repros: Manfred Raub

Diese Ausstellung war die erste Leistungsschau des 1907 gegründeten dwb. Sie begann am 16. Mai 1914 und wurde wegen des Beginns des ersten Weltkrieges leider schon am 6. August 1914 vorzeitig beendet. Trotz überwiegend deutscher Aussteller wird ihr von Kunsthistorikern der Rang einer Weltausstellung zugeordnet.

Aber um auf die Geschichte der Margarethenhöhe zurückzukommen: viele Mitglieder der von Margarethe Krupp geförderten Künstlerkolonie waren ebenfalls Mitglieder im dwb.

Bemalte Kommode, 20er-Jahre; Sammlung RuhrMuseum Essen. Foto: Manfred Raub

Firmen in dwb

In den Gründungsjahren ab 1907 kamen auch viele Firmen zum dwb. Für die Margarethenhöhe besonders interessant waren:

1. die Werkstätten J. Dickerhoff in Bochum, die einige Künstler der Margarethenhöhe mit modernen Möbeln belieferte.

2. die Kölner Kachelofenbaugesellschaft Drüner & Nattenberg, die die von Metzendorf entworfene Zentralheizung herstellte und die Häuser und Wohnungen auf der Höhe damit ausstattete, sowie

3. das Wohneinrichtungshaus Eick Söhne das, im von Metzendorf erbauten Eick-Haus, die neuesten Kreationen des Bauhauses anbot. Hier wurden unter anderem auch die von Metzendorf entworfenen Möbel, Gebrauchsgegenstände und Teppiche ausgestellt und verkauft. Aber auch die Inneneinrichtung der verschiedenen Ladenlokale auf der Margarethenhöhe lag in den Händen von Georg Metzendorf.

Ladeneinrichtung der Bäckerei, vor 1920. Foto aus: Kleinwohnungsbauten und Siedlungen, Verlagsanstalt Alexander Koch, Darmstadt, 1920. Repro: Manfred Raub

Gaststube im Gasthaus Margarethenhöhe, vor 1920. Foto aus: Kleinwohnungsbauten und Siedlungen, Verlagsanstalt Alexander Koch, Darmstadt, 1920. Repro: Manfred Raub

Und, wenig verwunderlich, hat er auch die komplette Einrichtung des „Gasthaus zur Margarethenhöhe“ entworfen, sowie das Sitzungszimmer des Vorstandes der Stiftung im Gasthaus von der Wandvertäfelung über die Möblierung bis zu den Lampen komplett ausgestattet. Bis auf die Lampen ist die Einrichtung des Sitzungszimmers noch originalgetreu erhalten.

Sitzungszimmer des Vorstands der Stiftung im Gasthaus Margarethenhöhe aus dem Jahr 1912. Links: Die beiden Figuren auf der Vitrine, Adam und Eva, stammen von Joseph Enseling. Rechts: Das Portrait von Margarethe Krupp über dem Kamin wurde von Otto Heinrich Propheter gemalt und wurde dort 1929 zum 75. Geburtstag von M. Krupp aufgehängt. Fotos: Tanja Wuschof

Entwurf von Brunnen und Kriegerdenkmal

Ebenso stammt der Entwurf des Marktbrunnens, der 1912 vom Bildhauer Joseph Enseling fertiggestellt wurde, von Metzendorf. Desweiteren stellte er 1929 einen Entwurf für das Kriegerdenkmal am Giebelplatz vor, das allerdings ohne die Figur auf der Spitze im Februar 1930 eingeweiht wurde. Zur angedachten Figur auf dem Denkmal gab es damals kritische Berichte in Essener Zeitungen und der Essener Anzeiger vom 22. November 1929 schrieb: „…Das Denkmal besteht aus einem architektonischen Sockelteil mit viereckiger Säule, das die Architekten Prof. Metzendorf und Baurat Schneider entworfen haben, und dem plastischen Teil, jener Figur, deren höchst fragwürdige Stellungen unsere Abbildungen hier zeigen…“ Und zum Schluß: „…Die Margarethenhöhe ist kein Dorf von vorgestern mit Attraktionen solcher Art, sondern die Künstlerkolonie und schönste Siedlung Essens.“ (sic!) Bemerkenswert ist, dass der eigentliche Entwurf der Säule nicht in Frage stand, sondern ausdrücklich die Ausführung der Figur auf der Spitze. Diese wurde dann durch ein einfaches Kreuz ersetzt.

Links: Modell für den Schatzgräberbrunnen 1911, Foto: Rainer Metzendorf. Rechts: Zeichnung zum geplanten Kriegerdenkmal am Giebelplatz aus dem Essener Anzeiger vom 27. 1. 1929 und Foto der Figur auf der Spitze, Essener Anzeiger vom 22. 11. 1929

Gestaltung bis ins Detail

Gerade diese umfassende Gestaltung bis ins kleinste innere wie äußere Detail – Metzendorf entwarf auch die Tür- und Fenstergriffe sowie die Türklopfer – macht bis heute den großen Reiz der Margarethenhöhe aus: alles wirkt trotz der großen Formenvielfalt wie aus einem Guß.

Türgriff mit Schild und Türklopfer. Fotos: Manfred Raub

Zum Beispiel gibt es über 180 verschieden gearbeitete Haustüren (siehe den Bericht „Haustüren und Blenden“ hier im Blog) die in Kombination mit den umgebenden Putz- und Mauerstreifen, den sog. Faschen, kaum doppelt vorkommen. Diese verspielten Einfälle aus der Anfangszeit der Margarethenhöhe wurden in den späteren Jahren von einer einfacheren Formensprache abgelöst, die schon relativ früh Gestaltungselemente des Bauhauses vorweg genommen haben.

Wird fortgesetzt.