Kleine Geschichte eines Hauses: Metzendorfstraße 10

Kleine Geschichte eines Hauses: Metzendorfstraße 10

26. Januar 2026 2 Von Manfred Raub
Manfred Raub
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Manfred Raub lebt seit 1979 auf der Margarethenhöhe. Er ist Mitbegründer des Kunstkreises Margarethenhöhe und Inhaber des Ateliers am Laubenweg. Seit 2008 ist er als Gästeführer auf der Höhe unterwegs. Aus seiner umfangreichen historischen Foto- und Postkartensammlung erstellt er regelmäßig Kalender und unterstützt auch diesen Blog mit Texten und Bildern.

Foto der Häusergruppe im unteren Teil des „Hohlweg“ mit den schön gestalteten Gartentürchen und –zäunen. Foto aus: „Kleinwohnungsbauten und Siedlungen“, Verlagsanstalt Alexander Koch, Darmstadt, 1920. Repro: Manfred Raub

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Nachdem „unser“ Haus in der Stensstraße zu groß wurde, sind meine Frau und ich schweren Herzens in eine kleinere Wohnung umgezogen. Zum Glück lag diese in der Nähe, eigentlich nur schräg gegenüber durch die angrenzenden Gärten. Und so wohnen wir nun seit dem 1. Januar 2018 in der Metzendorfstraße 10.

Und glücklicherweise habe ich zu diesem Gebäude – es ist ein Mehrfamilien-Reihenhaus – historische und aktuelle Grundrißpläne sowie alte und neuere Fotos. Schnell war also die Idee geboren, zu diesem Haus einen kleinen Artikel zu schreiben.

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Original-Planzeichnung von Georg Metzendorf aus dem Jahr 1914 (V. Bauperiode). Das Haus ist farbig unterlegt.

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Und hier die dazugehörende Grundrißzeichnung. Die beiden Abbildungen oben sind aus: „Kleinwohnungsbauten und Siedlungen“, Verlagsanstalt Alexander Koch, Darmstadt, 1920. Repros: Manfred Raub

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Die Jahre 1914 und 1934

Aber jetzt von Anfang an: dieses Haus und natürlich viele weitere Häuser wurden während der V. Bauperiode im Jahr 1914 errichtet. Zu dieser Zeit entstanden auch große Teile der angrenzenden Straßen Waldlehne sowie Am Gehölz, Daheim und Ginsterweg. Im Gegensatz zu den bisher von Metzendorf errichteten Häusern wurde ein Großteil der Gebäude im unteren Teil dieser Straße nicht verputzt, sondern in Sichtziegel-Mauerwerk errichtet. Aber auch hier hat Metzendorf die Fassade gegliedert gestaltet und mit einem umlaufenden Fries versehen.

Nach dem Tod des Architekten 1934 benannte ihm zu Ehren die Stadt Essen die Straße Hohlweg in Metzendorfstraße um, und so wurde aus der bisherigen Anschrift Hohlweg 114 die Metzendorfstraße 10.

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Zerstörung und Wiederaufbau

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Luftbild von der Margarethenhöhe aus dem Jahr 1945. Deutlich erkennbar das zerstörte Haus Metzendorfstraße 10. Das Dach und Zwischendecken fehlen und man sieht nur die noch stehengebliebenen Zwischenwände – sozusagen ein „hohler Zahn“. Luftbild: catalog.archives.gov

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Bei schweren Bombenangriffen im Oktober 1944 und März 1945 wurden viele Gebäude auf der Höhe zerstört (siehe hierzu „Das Kriegsende auf der Margarethenhöhe“ hier im Blog), so auch das Haus Metzendorfstraße 10. Die Stadt Essen stellte in einem Brief vom 12. 3. 1950 an die Margarethe Krupp-Stiftung die Baufälligkeit der Ruine fest. Dort schrieb sie u. a.: „…Der bauliche Zustand des vorbezeichneten, durch Kriegseinwirkung beschädigten Hauses hat sich im Laufe der Zeit durch Witterungseinflüsse derart verschlechtert, daß hieraus schwere Gefahren für die Allgemeinheit entstanden sind. Nach den getroffenen Feststellungen ist das Gebäude nicht mehr standsicher, so daß jederzeit mit seinem Einsturz gerechnet werden muss…“ Und weiter: „…Unter Beachtung der notwendigen Vorsichtsmaßnahmen sind niederzulegen: Die nicht mehr standsicheren Mauerwerksteile des Kamins an der Mittelwand bis Kellerdecke; die nicht mehr standsicheren Teile der Kellerdecke…“ Weiter schrieb die Stadt, dass die Durchführung der zu treffenden Maßnahmen unverzüglich erfolgen muss. Der Wiederaufbau des zerbombten Hauses begann dann aber erst mit Erteilung der Baugenehmigung am 28. 1. 1952 nach Plänen des Architekturbüros Fierenkothen & Funke, zum Glück mit der ursprünglichen Fassadengestaltung von Metzendorf.

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Bauplan 1952. Der Grundriss wurde im Gegensatz zum ursprünglichen Plan Metzendorfs abgewandelt. Repros: Manfred Raub

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In der Mitte der 50er-Jahre entstand dieses Foto, das auch schon im Margarethenhöhe-Kalender für das Jahr 2024 veröffentlicht wurde. Deutlich erkennbar sind die Ausbesserungen in der Fassade. Foto: Slg. Manfred Raub

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Mieter des Hauses

Im Internet finden sich die Adressbücher der Stadt Essen, dort konnte ich mir einen Überblick über die früheren Bewohner verschaffen. Bis zum Jahr 1977 sind viele Bücher einsehbar, die Jahrgänge danach liegen nicht digitalisiert vor oder unterliegen dem Datenschutz. Ich möchte hier nicht die Namen aufführen, die können bei Interesse selbst recherchiert werden. Aber ich konnte feststellen, dass die Familien dort sehr lange wohnten, eine sogar von 1915 bis 1941. In diesem Jahr erschien das letzte Adressbuch vor Kriegsende und da ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Familie sogar bis zur Zerstörung des Hauses dort gemeldet war. Und ab 1953 wohnte hier bis mindestens 1977 ebenfalls durchgehend die gleiche Familie.