Kein echter „Margarethenhöher“: der Halbachhammer

Kein echter „Margarethenhöher“: der Halbachhammer

10. Juli 2026 0 Von Manfred Raub
Manfred Raub
Beiträge

Manfred Raub lebt seit 1979 auf der Margarethenhöhe. Er ist Mitbegründer des Kunstkreises Margarethenhöhe und Inhaber des Ateliers am Laubenweg. Seit 2008 ist er als Gästeführer auf der Höhe unterwegs. Aus seiner umfangreichen historischen Foto- und Postkartensammlung erstellt er regelmäßig Kalender und unterstützt auch diesen Blog mit Texten und Bildern.

Der Halbachhammer nach der Errichtung im Nachtigallental 1936. Postkarte: Slg. Manfred Raub

.

Die Grenze

Eine Grenze ist (meist) eine willkürlich festgelegte, aber unsichtbare Linie. Ein Meter weiter links oder rechts entscheidet über eigenes oder fremdes Eigentum, Zugehörigkeit zu einer Gemeinde sowie einer Verwaltung und sogar über eine Staatsangehörigkeit.

.

.

Grenzverlauf Fulerum / Margarethenhöhe. Karte: OpenStreetMap

.

Genau an solch einer Grenze steht der Halbachhammer, der durch eine Stiftung von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach im Nachtigallental an der Margarethenhöhe errichtet und 1936 der Stadt Essen übergeben wurde. Er wird zwar meist der Margarethenhöhe zugerechnet, steht aber eigentlich auf dem Gebiet des Stadtteils Fulerum; der Bachlauf vor dem Gebäude, den eine Brücke überquert, bildet ungefähr diese Grenzlinie zwischen den beiden Stadtteilen…

.

Hugo Rieth hat in Band 2 der Margarenthenhöher Notizen von 2006 einiges über den Halbachhammer geschrieben. Aus diesem Aufsatz möchte ich hier eine Zusammenfassung veröffentlichen:

.

.

Rückseite des Halbachhammers um 1936. Im Vordergrund der Teich zum Betrieb der Wasserräder für den Hammer und des Gebläses für das Schmiedefeuer. Postkarte: Slg. Manfred Raub

.

Geschichte des Hammers

Unser Hammer war einer der vielen, die es im Bergischen, im Siegerland und an den südlichen Nebenbächen der unteren Ruhr gab. Er stand in Weidenau an der Sieg und ist seinem Ursprung nach eine Hammerhütte. 1419 wird sie als Ficken-Hammerhütte benannt. Die Hämmer wurden durch sogenannte Gewerke betrieben, d. h. verschiedene Leute schlossen sich zusammen und jeder hatte bestimmte Anteile daran. Im Laufe der Zeit wechselte jedoch die Anzahl der Anteilseigner, aber jeder Eigner hatte bestimmte Tage, an denen er schmieden konnte. Mit der Einführung neuer Verfahren in der Eisenbearbeitung ab 1823 ging die Produktion in den alten Hütten zurück und Hammer für Hammer stellte den Betrieb ein. Um 1900 wurde diese Hammerhütte endgültig stillgelegt und war ab da dem Verfall preisgegeben.

.

.

Die Ruine des „Figgenhütten-Hammers“ um 1900. Foto: Slg. Hugo Rieth, Margarethenhöher Notizen Band 2, 2006

.

Der Aufbau in Essen

Als im Jahre 1934 Sturm Kegel als Beigeordneter und Baudezernent von Hagen nach Essen kam, brachte er von dort die Idee von der Einrichtung eines „technikgeschichtlichen Lehrpfades“ mit. Das Ruhrlandmuseum griff diese Idee auf und man machte sich an die Planung. Rund um die Margarethenhöhe glaubte man mit dem Nachtigallental und der Sommerburg das geeignete Gelände gefunden zu haben, zumal am Ausgang der Sommerburg schon ein Objekt vorhanden war: das Mühlenhaus der Brandsmühle. Und bei Krupp lagerte ab 1917, als Gustav Krupp von Bohlen und Halbach den Hammer kaufte, einzelne Teile der Hammerhütte. 1920 folgte die restliche Sendung der Einzelteile. Aufgrund politischer und wirtschaftlicher Verhältnisse musste wurde die Neuaufstellung immer wieder verschoben. In den Jahren 1935/1936 wurde der Hammer im Nachtigallental wieder aufgebaut, als Teil eines geplanten „technikgeschichtlichen Lehrpfades“ rund um die Margarethenhöhe. Dazu zählte auch das bereits vorhandene Mühlenhaus der Brandsmühle, das aber schon 1937 wegen Baufälligkeit einstürzte. (Zur Brandsmühle folgt später noch ein Beitrag hier im Blog.)

.

Einweihung des Hammers

Am 9. November 1936 wurde der Hammer in einer Feierstunde dem Oberbürgermeister der Stadt Essen, Dr. Reismann-Grone, zu treuen Händen übergeben und dem Ruhrlandmuseum als Freilichtanlage angegliedert. „Mit berechtigtem Stolz konnte der Stifter“ – wie berichtet wird – „in einer Festansprache auf die jahrhundertlange Verbundenheit seiner Vorfahren mit der alten bergischen Eisen- und Stahlindustrie und auf die lange Reihe von Hammerwerksbesitzern unter seinen Halbachschen Ahnen hinweisen. Darum soll auch nach seinem Wunsch der in geschichtlicher Treue wiedererstandene Eisenhammer den Namen „Halbachhammer“ tragen und künftigen Geschlechtern von mühsamer, fleißiger Arbeit vergangener Zeiten künden…“

.

.

Einweihung am 9. November 1936. In der vorderen Reihe die Familie von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach sowie Oberbürgermeister Reismann-Grone (zweiter von links, in NS-Uniform). Foto: Slg. Hugo Rieth, Margarethenhöher Notizen Band 2, 2006

.

Schmiedevorführungen

In den Jahren bis zum Ausbruch des Krieges fanden dann im Halbachhammer an jedem ersten Sonntag im Monat Schmiedevorführungen statt. Dumpf hallten dann die Schläge durch das Nachtigallental. Allerdings auch zum Nachteil der Wasservögel: da der Betrieb mit Wasserkraft bewerkstelligt wurde, lief der dafür aufgestaute Teich jedesmal halb leer. In den Nachkriegsjahren hatte man vordringlich mit dem Wiederaufbau der zerstörten Stadtteile zu tun und der Schaubetrieb des Hammers wurde eingestellt.

.

Neues Leben im und am alten Gemäuer

Der Zahn der Zeit hatte dem Halbachhammer arg zugesetzt. So waren u. a. die Hammerachse gebrochen und der Reitel funktionsuntüchtig geworden: vieles musste gerichtet und erneuert werden. Von 1994 bis 1998 wurde das technische Kulturdenkmal im Rahmen des „Essener Konsenses“ in der Verbindung von denkmalpflegerischen und berufsbildenden Maßnahmen vom Ruhrlandmuseum vollkommen saniert. In einer Feierstunde konnte am 11. September 1998 der Hammer wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die folgenden fünf Jahre lang wurde er von dem gelernten Schmied Reimer Gehrts betreut. Er erklärte den Besuchern die Technik und die Funktion des Hammers. Diese Tradition der Schmiedevorführungen wird bis heute durch das RuhrMuseum fortgeführt.

.

.

Schmiedevorführung im Juni 2003 mit Reimer Gehrts und „Lehrling“ Heiko. Foto: WAZ-Bild Vinken

.

Und seit etlichen Jahren findet am Halbachhammer, in Verbindung mit der „Bürgerschaft Essen-Margarethenhöhe e. V.“, eine gut besuchte Halloween-Fete statt. Zu diesem Anlass zeigt das RuhrMuseum, wie in vorindustrieller Zeit die Eisenverarbeitung stattgefunden hat.

.

.

.

Halloween-Fete der Bürgerschaft Essen-Margarethenhöhe mit Schmiedevorführung durch das RuhrMuseum im Jahr 2019. Fotos: Bürgerschaft, Slg. Manfred Raub