„Keine Angst vor Kunst!“

„Keine Angst vor Kunst!“

30. November 2023 2 Von Sonja Mersch

In das leere Ladenlokal am Laubenweg ist eine Künstlerin eingezogen. Allerdings erst einmal nur vorübergehend, sagt Anabel Jujol. Drei Monate, vielleicht auch länger – bis die Bauanträge der Margarethe Krupp-Stiftung für eine gastronomische Nutzung der Fläche genehmigt sind. Für Anabel Jujol, die seit 28 Jahren auf der Margarethenhöhe lebt – immer in der Metzendorfstraße übrigens – ist die Zwischenmiete ein Glücksfall, wurde ihr doch gerade erst ihr Hinterhofatelier in Holsterhausen gekündigt. einige große Ölbilder lagern noch dort, alles andere hat sie bereits in den neuen Raum geholt: einen großen hölzernen Arbeitstisch, große und kleine Malereien, Fotografien, Collagen, Objekte – teils von befreundeten Künstler:innen, teils eigene Arbeiten – alles unter dem Motto „Glauben, Wissen, Handeln“, und alles „von Menschen, die eine Geschichte zu erzählen haben“, sagt Anabel Jujol.


Geschichten erzählen

Zu jeder einzelnen Arbeit könne sie „einen ganzen Roman erzählen“, und sie hofft sehr darauf, dass sich die Menschen von der Margarethenhöhe darauf einlassen und mit ihr ins Gespräch kommen. Sich erzählen lassen, was dahinter steckt, aber auch eigene Gedanken dazu loswerden. Auch oder gerade weil nicht alle Kunstwerke sofort jedem gefallen, vielleicht sogar manchen abschrecken könnten: Da hängt ein Jesus am Kreuz mit einer Barbiepuppe auf den Schultern, auf einem Gemälde sind Brüste zu sehen, abstrakte Malerei neben Hochglanz-Fotokunst. Alles in einem Raum, hinter jedem Mauervorsprung und in jeder Fensternische gibt es etwas zu entdecken.


Über Kunst diskutieren

„Die Leute brauchen keine Angst vor Kunst zu haben“, sagt Anabel Jujol. Ob etwas nun „richtige Kunst“ oder „profane Kunst“ sei, darüber sei sie gerne bereit zu diskutieren. Das Jesus-Barbie-Objekt sei beispielsweise in einem Workshop entstanden. „Das Kreuz stammt aus dem Schlafzimmer meiner verstorbenen spanischen Großeltern“, erklärt sie. Ein achtjähriges Mädchen in einem ihrer Kurse habe den leidenden Jesus als „gruselig“ bezeichnet, woraufhin sie kurzerhand „Kunst daraus gemacht“ hätten: Eine lächelnde Barbie auf die Schultern gesetzt, Glitzer auf den Körper gestreut. „Ich bin sehr offen für alles“, betont die Künstlerin, die unter anderem auch mit Menschen mit Behinderung in der „Candyshop Kunstwerkstatt“ der Diakonie arbeitet – eine entsprechende Ausstellung in dem Lokal am Laubenweg hat sie auch schon angedacht.


Freies Schaffen auf der Margarethenhöhe

Ihre eigene Geschichte begann übrigens als gelernte Werbekauffrau und Grafikerin in einem großen Unternehmen. Nach einer Krise gab sie die Karriere auf, studierte Geisteswissenschaften, zog auf die Margarethenhöhe, bekam ein Kind, wurde alleinerziehend, arbeitete als Software-Dozentin. Mit 35 Jahren finanzierte sie sich schließlich ihr Kunststudium und kombiniert seitdem freies Schaffen mit ihrer Tätigkeit als Dozentin in der Kunstwerkstatt. Die Margarethenhöhe, sagt sie, sei eigentlich ihr persönlicher Rückzugsort. „Darum ist es für mich ein großes Wagnis, mich hier in einem Atelier so zu exponieren.“ Viele Leute im Stadtteil kenne sie schon sehr lange und gut, andere dagegen gar nicht. „Darum bin ich gespannt auf all die Geschichten, die mir die Menschen hier erzählen.“

Eröffnung Freitag, 1. Dezember, 16 Uhr

Alle seien eingeladen, jederzeit auf einen Plausch oder einen Kaffee hereinzukommen, wenn sie gerade im Atelier sei – das sie übrigens „Die Reinigung“ nennt – der alte Schriftzug an der Fassade habe sie dazu inspiriert. Diesen Freitag, am 1. Dezember, will sie ab 16 Uhr offiziell eröffnen.

Internetseite der Künstlerin: www.anabeljujol.de