Eugen David Spahn – Bauleiter der Margarethenhöhe

Eugen David Spahn – Bauleiter der Margarethenhöhe

Dr.-Ing. Rainer Metzendorf
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Dr.-Ing. Rainer Metzendorf ist Enkel und Biograf von Georg Metzendorf, Architekt, Stadtplaner und Autor in Mainz, seit über 50 Jahren mit der Margarethenhöhe durch Vorträge, Führungen und Veröffentlichungen verbunden.

Bild 01 (ganz oben): David Spahn (Mitte) und seine Geschwister, um 1906, Nachlass Spahn.


Eugen David Spahn (1880-1952) war der erste Mitarbeiter von Georg Metzendorf im Essener Büro und von 1910 bis 1919 Oberbauleiter der Gartenstadt Margarethenhöhe.

Seine Zeit davor:

David Spahn stammt aus einer traditionsreichen Handwerkerfamilie und wurde am 24. April 1880 in Seligenstadt am Main geboren. Nach seinem Schulabschluss begann er im elterlichen Holzwerkbetrieb, den er später als Erstgeborener übernehmen sollte. Mit 17 Jahren verlor er seinen Vater und musste seine Zukunftspläne ändern. Er ließ sich in Fechenheim bei Frankfurt zum Zimmermann ausbilden, besuchte mit Abschluss als Baufachmann die Großherzoglich Hessische Landesbaugewerkschule in Darmstadt und arbeitete ab 1902 als Architekt in dem Frankfurter Baugeschäft Peter Augenthaler. Nach drei Jahren wechselte er 1905 von der freien Wirtschaft in den öffentlichen Dienst beim Großherzoglichen Hochbauamt Mainz, zunächst in die Außenstelle Alzey, danach in das Mainzer Hauptamt. Im Zeugnis vom Januar 1910 wird seine Sachkenntnis, sein Fleiß sowie seine Zuverlässigkeit hervorgehoben und erwähnt, “wie er wusste, den rechten Ton zu finden und seinem Willen Geltung zu verschaffen.”


Spahn bei Metzendorf in Essen: 

Nachdem Georg Metzendorf 1909 mit der Planung der Gartenstadt Margarethenhöhe begonnen hatte, musste er vorrangig in Essen sein Architekturbüro einrichten, das dieser anspruchsvollen Aufgabe gewachsen war. Dabei setzte er auf bewährte Kräfte, die er kannte oder mit denen er schon zusammengearbeitet hatte. So die Architekten Carl Mink aus Worms und Phillip Schnatz aus Bensheim an der Bergstraße. Wie er zu David Spahn als Bauführer aus der Mainzer Verwaltung kam, ist nicht überliefert. Möglicherweise kannten sich beide über die Badeanstalt, die Metzendorf in Seligenstadt, dem Heimatort von Spahn, geplant hatte. 

Im Spätherbst 1909 begann der Bau der Zufahrtsbrücke für die Margarethenhöhe über das Mühlenbachtal. Der vertraglich letzte Arbeitstag von David Spahn beim Mainzer Hochbauamt vom 11. Januar 1910 und der Start als Bauleiter der Margarethenhöhe gleich darauf am 12. Januar belegen den enormen Zeitdruck des Geschehens. Das erste fertige Gebäude der Margarethenhöhe war der westliche Pavillon des Brückenkopfes (Hausnummer 8) (Bild 2) und diente ab Sommer 1910 als Bauleiterbüro für David Spahn. (Bild 3) “Ein tüchtiger, herzhafter Mann, dessen man sich gerne erinnert” beschrieb ihn später ein Zeitzeuge.



Unter der Oberbauleitung von David Spahn (Bild 4) entstanden in der ersten sieben Bauabschnitten 583 Gebäude mit 757 Wohnungen für 3.450 Einwohner, die Stadtbrücke, ein Kaufhaus und die Bebauung um den Kleinen Markt mit Kruppscher Konsumanstalt, Gasthaus, Bäckerei und Metzgerei samt inneren Einrichtungen. (Bilder 5-9) Vor dem I. Weltkrieg war die Margarethenhöhe Deutschlands größte durchgeführte Wohnbaumaßnahme. Die Baukosten bis 1917 betrugen nach Angaben von Georg Metzendorf etwa 12 Millionen Mark. (Dem Bauindex von 2026 entspricht das 144 Millionen Euro.) Als Metzendorf im Kriegsjahr 1916 sein Architekturbüro in Essen vorübergehend schließen musste, übernahm Spahn die alleinige Abwicklung der siebten Bauperiode mit 108 Wohnungen. Am 15. April 1917 wurde auch er zum Militär eingezogen und kam vom 18. Juli 1917 bis zum 07. Dezember 1918 als Kanonier der Reserve-Fußartillerie bei den Rückzugskämpfen zum Einsatz.

Bild 05: Baustelle Brückenkopf, 07. August 1910, Nachlass Spahn. 


David Spahn wohnte anfangs in Essen-Rüttenscheid und nach der Heirat (14. Oktober 1911) mit seiner Frau Katharina, einer gebürtigen Mainzerin, auf der Margarethenhöhe in der Sommerburgstraße 6, einem freistehenden Einfamilienhaus am Waldesrand. (Bild 10) 1914 kam ihr Sohn Fritz zur Welt. Eingerichtet war die Wohnung teilweise mit Möbeln nach Entwürfen von Metzendorf. Das nach fast 120 Jahren noch einwandfrei erhaltene Büffet (Bild 11) schenkte Frau Renate Buchholz-Spahn, Enkelin von David Spahn, neben weiteren von Metzendorf entworfenen Möbeln 2024 dem Ruhr-Museum in Essen zur Dauerausstellung.


Seine Zeit danach: 

1919, direkt nach dem I. Weltkrieg lag die Bautätigkeit in der Krupp-Stadt Essen vollständig danieder und die Fortführung der Margarethenhöhe war ebenfalls nicht gesichert. Vor diesem Hintergrund und auch wegen des Heimwehs seiner Frau bewarb sich David Spahn im Juli 1919 auf die vom Wohnungsamt Mainz ausgeschriebene Stelle als Bausekretär. Metzendorf schaltete sich ein, schrieb an den Mainzer Oberbürgermeister und empfahl seinen Mitarbeiter als “vorzüglichen Beamten mit ehrlichem, rechtschaffenem Charakter, fleißig, immer froh bei der Arbeit und unverdrossen, von zuvorkommendem Wesen, zuverlässig, flink und gut disponierend.” Spahn bekam die Stelle, begann im Oktober 1919 und die Stadt Mainz zahlte sogar seinen Umzug. Wohl unterfordert, kündigte Spahn nach einem Jahr und wechselte als Regierungs-Oberinspektor zum staatlichen Hochbauamt in Mainz. Dort blieb er bis zu seiner Pensionierung, zuletzt in leitender Stellung. Mit 72 Jahren starb Eugen David Spahn am 10. September 1952 und wurde im Mainzer Hauptfriedhof (Feld 61, Reihe 8) beerdigt. 

Nachtrag: 

Wie stimmig das Verhältnis zwischen dem Architekten und dem Bauleiter der Margarethenhöhe war, belegt die Widmung in seinem Buch “Siedlungen und Bauten”, das Metzendorf 1921 David Spahn schenkte: “Meinem ehemaligen Mitarbeiter D. Spahn freundschaftlichst zugeeignet. Essen, Frühjahr 1921. Metzendorf.”

Bild 12: Widmung an Spahn, 1921, Nachlass Spahn.


Bildunterschriften mit Nachweis:

01 David Spahn (Mitte) und seine Geschwister, um 1906, Nachlass Spahn. 

02 Eingerüstete Brücke, 1910, Nachlass Spahn. 

03 David Spahn im Baubüro, 1910, Nachlass Spahn. 

04 Der Architekt und sein Bauleiter, 1912, Rainer Metzendorf. 

05 Baustelle Brückenkopf, 07. August 1910, Nachlass Spahn. 

06 Steile Straße im Bau, 1910, Nachlass Spahn. 

07 Rohbau Steile Straße 26-30, 1910, Nachlass Spahn. 

08 Steile Straße 26-30, 1912, Rainer Metzendorf.

09 Kleiner Markt und Gasthaus, 1912, Rainer Metzendorf.

10 Sommerburgstraße 6, 1910, Nachlass Spahn.

11 Büfett, 1911, Ruhr-Museum.

12 Widmung an Spahn, 1921, Nachlass Spahn.

Mainz, 06. April 2026 
Dr.-Ing. Rainer Metzendorf

Dr.-Ing. Rainer Metzendorf
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Dr.-Ing. Rainer Metzendorf ist Enkel und Biograf von Georg Metzendorf, Architekt, Stadtplaner und Autor in Mainz, seit über 50 Jahren mit der Margarethenhöhe durch Vorträge, Führungen und Veröffentlichungen verbunden.