Eine Postkarte von der Margarethenhöhe

Eine Postkarte von der Margarethenhöhe

1. März 2026 0 Von Manfred Raub
Manfred Raub
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Manfred Raub lebt seit 1979 auf der Margarethenhöhe. Er ist Mitbegründer des Kunstkreises Margarethenhöhe und Inhaber des Ateliers am Laubenweg. Seit 2008 ist er als Gästeführer auf der Höhe unterwegs. Aus seiner umfangreichen historischen Foto- und Postkartensammlung erstellt er regelmäßig Kalender und unterstützt auch diesen Blog mit Texten und Bildern.

Was heutzutage SMS, eMail und die ganze Fülle der Messager-Dienste mit millionenfachen Nachrichten pro Sekunde sind, war vor mehr als 100 Jahren die Postkarte: kurze Nachrichten, schnell und preiswert zu verschicken und mit einer Bildpostkarte zusätzlich den Empfängern einen optischen Eindruck zu vermitteln. Kein Wunder also, dass es vom Baubeginn der damaligen „Mustersiedlung“ Margarethenhöhe an eine sehr große Fülle von mehr oder weniger unterschiedlichen Postkartenmotiven gab. Ich selbst habe bis jetzt mehr als 400 Karten von 1912 bis heute gesammelt und besitze noch längst nicht alle erschienenen Motive. (Wenn hier ein Leser alte Postkarten oder Fotos von der Höhe besitzt: bitte gerne melden!)

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Unglaublicher Erfolg der Postkarte

Allein im Jahr 1900 wurden von der Reichspost 440 Millionen Ansichtskarten befördert. Diese Zahl der regulären Postkarten sank ab 1914 auf 76,7 Mio., da viele Menschen kriegsbedingt auf portofreie Feldpostsendungen umgestiegen sind. Insgesamt wurden 1914 bis 1918 circa 28 bis 29 Milliarden(!) Feldpostsendungen befördert. Diese Sendungen waren die einzige Verbindung der Soldaten mit ihrer Heimat.

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Spenden sammeln mit der „Kriegshilfe“

Und hier kommt jetzt die Karte ins Spiel, die ich hier vorstellen möchte. Diese Karte wurde zu Beginn des ersten Weltkriegs im Zusammenhang mit dem sog. „Kriegsliebesdienst“ zur allgemeinen Unterstützung der Soldaten an der Front sowie zur Hilfe für Verwundete in Lazaretten und Kriegerwitwen herausgegeben. Georg Metzendorf – er war Reserveoffizier und nahm als Freiwilliger 1914 bis 1918 am ersten Weltkrieg teil – regte die Herausgabe dieser Karte an. Am 11. September 1914 erschien dazu eine Nachricht in der „Essener Volks-Zeitung“:

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Transscription des Fraktur-Textes:

= Eine Postkarte „Kriegshilfe Margaretenhöhe Essen (Ruhr)“ wurde im Auftrage des Herrn Professor Metzendorf von dem bekannten Essener Künstler Hapke entworfen und von der lithographischen Anstalt der Firma Krupp hergestellt. Da beide Künstler wie auch die Firma Krupp auf ein Entgelt verzichteten, so ist es möglich, die volle Reineinnahme für diese Karten der K r i e g s h i l f e bzw. Notleidenden zuzuwenden. Die Karte ist im Verkehrsverein erhältlich.

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Von Hapke gezeichnet

Gezeichnet wurde die Karte von Karl (auch: Carl) Hapke, der seit 1905 an der Gewerbeschule Essen (spätere Folkwangschule) dekorative Malerei unterrichtete. Hapke wohnte auf der Margarethenhöhe im Haus Stensstraße 5. Zwei Aquarelle von Hapke mit Motiven der „Höhe“ findet ihr in den beiden Artikeln „Haustüren und Blenden“ und „Der Brückenkopf“ hier im Blog.

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Hier der Text der Rückseite rechts:

Oben durchgestrichen: 4. Komp. nicht

Feld-Postkarte. (Portofrei, deshalb keine Frankierung, nur Poststempel)

An
Gefreiten Schreyer
II. Kgl. Sächsisches Landsturm Infanterie Bataillion
4. Kompagnie

Zusammengestellt in Chemnitz
Bei der West Armee
12. Armee-Corps

Text links:

Essen d. 20/9 ’14
Lieber Bruder.
Seit Andernach
haben wir nichts mehr
von dir gehört, hoffentlich
geht es dir noch
gut. Bitte schreib
doch bald einmal,
genaue Adresse angeben.
Viele Grüße von Toni
und den Kindern

Bruno.

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Der umlaufende Text auf der Vorderseite lautet:

Franz Meißner in dem Sennelager zu Gefangen Bewachungs Abteilung. Willi hat bisher bei Brix (?) in Frankreich ein Gefecht bei der Artillerie mitgemacht. Er befindet sich jetzt in Jüterbog