Die Waldeingänge

Die Waldeingänge

31. März 2026 0 Von Manfred Raub
Manfred Raub
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Manfred Raub lebt seit 1979 auf der Margarethenhöhe. Er ist Mitbegründer des Kunstkreises Margarethenhöhe und Inhaber des Ateliers am Laubenweg. Seit 2008 ist er als Gästeführer auf der Höhe unterwegs. Aus seiner umfangreichen historischen Foto- und Postkartensammlung erstellt er regelmäßig Kalender und unterstützt auch diesen Blog mit Texten und Bildern.

Links der Waldeingang am Hohlweg, die Lücke in der Mauer – erkenntlich an den beiden Kugeln – führte zu einer heute nicht mehr vorhandenen Treppe neben dem runden „Turm“. Foto aus den 1930er-Jahren: Slg. Manfred Raub

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Jetzt im Frühjahr kommt die Zeit, sich wieder mehr in der erwachenden Natur aufzuhalten. Und die Bewohner der Margarethenhöhe haben das große Glück, einen Waldgürtel rings um die Siedlung zu haben. Kein Bewohner hat einen längeren Fußweg als 5 bis 10 Minuten zurückzulegen, um den Wald zu erreichen. 200 Morgen Wald- und Wiesengelände, ebenfalls von Margarethe Krupp gestiftet und in der Anfangszeit, während die Höhe gebaut wurde, aufgeforstet und gepflegt durch die Hügelgärtnerei. Und im Jahr 1922 wurde der Waldpark „zur Erholung der Essener Bürger“ endgültig notariell an die Stadt Essen übertragen.

Am 28. 11. 1908 vermeldete die Essener Volks-Zeitung, dass Georg Metzendorf als verantwortlicher Architekt zum Bau der neu zu errichtenden Siedlung Margarethenhöhe Anfang nächsten Jahres seine Stelle antreten wird. Damals war schon von vornherein klar, dass er für die Gesamtplanung, inklusive der Grünplanung, verantwortlich sein würde. Hier im Blog wurde dazu schon ein Artikel veröffentlicht: Die Gartenstadt

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Plan der Margarethenhöhe von 1919 aus „Kleinwohnungsbauten und Siedlungen“, Verlagsanstalt Alexander Koch, Darmstadt, 1920. Hier eingezeichnet die drei Eingänge in der Straße Waldlehne. Repro: Manfred Raub

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Der vorhandene Wald wird berücksichtigt

In seiner „Denkschrift zum Ausbau des Stiftungsgeländes“ vom Juli 1909 schrieb er: „Täler mit schmalen Wasserläufen sind eingeschnitten zwischen ansteigenden Hügeln. Prächtiger alter Waldbestand und im Wachsen begriffener Jungwald, dazu grüne Wiesen ziehen gleich einem Kranze ringsum…“ Die vorhandenen (und später noch aufzuforstenden) Waldgebiete waren von Anfang an Bestandteil der Stadtplanung von Georg Metzendorf. So verwundert es nicht, dass Metzendorf bei der Anlage der Straßen und Gebäude Rücksicht auf den bereits vorhandenen Grüngürtel genommen hat. Dies hat er in seiner Denkschrift ebenfalls niedergeschrieben.

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Auch die Brücken wurden gestaltet

Weiter hat er auch Wege und Brücken sowie durch Aufstauen von zwei kleinen Wasserläufen zu Teichen einen „Waldpark“ anlegen lassen. Die Brücken wurden zum Teil in Stein ausgeführt und am Ende der Brüstungen mit Voluten versehen. Dieses „Schneckenmuster“ hat er auch an einigen Gebäuden (Gasthaus, Giebel am Kleinen Markt und in der Steilen Straße) sowie am Ende der Mauern welche die Rampen am Brückenkopf einfassen, als Gestaltungselemente eingesetzt.

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Bestandteil der Planung: die Waldeingänge

In der Übersichtszeichnung zur Siedlung von 1919 hat Metzendorf in der heutigen Straße Waldlehne bereits zwei Eingänge zum Wald eingezeichnet. Und am Anfang dieser Straße, kaum zu erkennen, noch eine Treppe neben dem runden „Turm“ am Hohlweg. Auf einem alten Foto kann man die Einmündung dieser Treppe vom Hohlweg zur Waldlehne erkennen. Geschmückt war dieser Durchgang mit Kugeln auf der Mauerkrone. Im Gesamtplan der Siedlung sind natürlich noch weitere Zugänge zum umgebenden Wald vorgesehen. Zu den beiden erstgenannten Eingänge möchte ich mehr erzählen, da sie von Metzendorf eine besondere künstlerische Gestaltung erfahren haben. Der Eingang in der Mitte der Waldlehne mutet wie ein mittelalterliches Tor an. Die gekrümmte Häuserreihe in der unteren Waldlehne wirkt wie eine Stadtmauer, die in ein Tor zum Wald mündet. Dieses Tor wird flankiert von zwei Häusern mit hochgezogenem Natursteinsockel, die wie zwei mächtige Türme wirken.

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Der Eingang in der Mitte der Waldlehne, schön gestaltet mit den Figuren des Bildhauers Otto Lang. Fotos: Manfred Raub

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Figuren von Otto Lang

Aufgelockert wird das Ensemble durch die beiden gemauerten Säulen mit den Figuren der „Kinder mit Hasen“ des Bildhauers Otto Lang (1855-1929). Lang war Künstlerfreund von Felix von Ende, dem Bruder von Margarethe Krupp. (Er schuf auch die Grabmale von Alfred und Friedrich Alfred Krupp, zu sehen auf dem Friedhof in Bredeney.) Zur Aufstellung der Figuren gibt es einen Brief Metzendorfs vom 2. April 1920 an Frau Margarethe Krupp: „…Beigeschlossen folgen einige Photos zu den zwei Parktoren. Soll ich Herrn Lang je ein Abzug zusenden, oder wollen Frau Krupp die beiliegenden zweiten Abzüge, selbst dazu benützen? Ich glaube es würde für Herrn Lang eine grössere Anerkennung seiner Leistung bedeuten, diese Photos von Frau Krupp zu empfangen…“

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Der Eingang am Giebelplatz, ebenfalls flankiert von zwei Figuren des Bildhauers Otto Lang. Foto: Manfred Raub

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Eingänge mit „Raum“

Der weitere Waldeingang am Giebelplatz ist von zwei kurzen Natursteinmauern flankiert, auf denen jeweils ein Fasanenpaar, ebenfalls von Otto Lang, steht. Bei beiden „Parktoren“ ist gleich, dass man, vom Wald kommend in die Siedlung eintretend, einen lichten Raum vorfindet der zum nochmaligem Durchatmen einläd. Das hat Metzendorf erreicht, indem er die angrenzenden Häuser von der Straße zurückgesetzt hat bzw. der Weg in einen Platz (Giebelplatz) mündet. Und die einseitig von Bäumen gesäumte Straße Laubenweg bildet die Fortsetzung der Waldwege in die Siedlung. So wird auch hier wieder deutlich, dass bei dem „Gesamtkunstwerk Margarethenhöhe“ nichts dem Zufall überlassen wurde und alles einer durchdachten Gesamtplanung unterlag. Dazu gehört auch, dass als Material für die Figuren Muschelkalkstein verwendet wurde, das gleiche Material wie für den Marktbrunnen und die Fassade des Konsum-Gebäudes.

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Figur der Fasanen am Giebelplatz. Foto: Manfred Raub

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Die in den späteren Bauperioden entstehenden Waldeingänge in den Straßen Schliepmühle, Lehnsgrund / Bauer Barkhoff, Altenau und am westlichen Ende der Lührmannstraße wurden, wahrscheinlich auch aus wirtschaftlichen Gründen, nicht mehr so aufwendig ausgeführt. Dort bestehen die Zugänge zum Wald aus der Weiterführung der Straßen bzw. Wege aus der bebauten Fläche in die Natur.