Die Margarethenhöhe und der Volkstrauertag

Die Margarethenhöhe und der Volkstrauertag

11. November 2025 0 Von Heinz Kaschulla
Heinz Kaschulla
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Heinz Kaschulla lebt seit über 70 Jahren auf der Margarethenhöhe. Er trägt persönliche Erinnerungen und historische Fakten über seinen Heimatstadtteil zusammen - für sich selbst, seine Kinder und Enkelkinder. Und auch für diesen Blog stellt er seine umfangreichen Recherchen zur Verfügung.

Foto oben: Christof Werwer, Südwestfriedhof

Auf der Margarethenhöhe befindet sich das 1930 auf dem Giebelplatz aufgestellte Ehrenmal mit angebrachten Gedenktafeln für die gefallenen Bewohner der Margarethenhöhe des ersten Weltkrieges 1914-1918 und eine weitere für die Gefallenen des 2. Weltkrieges 1939-1945. Ähnliche Ehrenmale, Gedenksteine o.ä. sollen noch ca. 75 Mal an unterschiedlichen Orten in Essen vorhanden sein.

Foto aus der Sammlung Heinz Kaschulla

Am 16. November diesen Jahres, am Volkstrauertag, gedenken wir unserer Gefallenen in den Kriegen und mittlerweile auch aller Toten und der Opfer von Gewalttaten auf der ganzen Welt. Auf der Margarethenhöhe ist das Ehrenmal am Giebelplatz traditionell der Ort, an dem an diesem Tag Kränze abgelegt und der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht wird. Der Volkstrauertag ist kein religiöser und kein gesetzlicher Feiertag und auch nicht zu verwechseln mit dem Totensonntag.

Ursprung des Totensonntags

König Friedrich Wilhelm III. von Preußen rief einen Tag als Totensonntag aus. Von 1816 an, nach den verlustreichen Befreiungskriegen gegen Napoleon, sollte am Sonntag vor dem ersten Advent der Verstorbenen gedacht werden. Bald griffen mehrere Landeskirchen diesen Vorstoß auf. Katholiken und Protestanten begingen und begehen das Gedenken jedoch unterschiedlich. Während den Katholiken das Allerseelenfest der Totenerinnerung dient, gibt es im evangelischen Kirchenjahr den Totensonntag, auch Ewigkeitssonntag genannt.

Ein gesetzlicher Feiertag ist der Totensonntag in Deutschland nicht – ebenso wenig wie der Volkstrauertag. Dennoch gelten für diesen Sonntag besondere Regelungen. Die Feiertagsgesetze der Bundesländer legen fest, dass an diesem „stillen Feiertag“ keine öffentlichen Veranstaltungen stattfinden dürfen, die nicht dem „ernsten Charakter“ des Tages entsprechen. Die Bundesländer regeln dies sehr unterschiedlich. Damit dürfen auch Weihnachtsmärkte am Totensonntag nicht öffnen.

Ursprung des Volkstrauertages

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Gräber der deutschen Gefallenen in den Ländern, in denen diese beigesetzt wurden, zu pflegen. Dies war und ist die Aufgabe des Staates, dessen Menschen dort begraben sind, nicht die des Staates, in dessen Boden sie liegen.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge schlug 1919 einen Gedenktag zur Erinnerung an die Gefallenen des 1. Weltkrieges vor. Dem folgend fand 1922 die erste Gedenkstunde im damaligen Reichstag der Weimarer Republik statt. 1925 gab es dann den ersten „richtigen“ Volkstrauertag und 1926 fiel auch die Entscheidung, ihn jährlich abzuhalten als sogenannten „Sonntag mit reichsweiter Staatstrauer“.
 

Einordnung des Volkstrauertages

Der Volkstrauertag, der an die Opfer von Krieg und Gewalt erinnert, soll also keine Glorifizierung der Kriege, Krieger oder Soldaten, sondern Trauer um die Getöteten sein.

Dieser Tag wird immer am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres begangen, eine Woche später folgt der Totensonntag. Dieser ist immer der letzte Sonntag des zu Ende gehenden Kirchenjahres. Das neue Kirchenjahr beginnt jeweils eine Woche später am ersten Adventssonntag.

Volkstrauertag auf der Margarethenhöhe

In der Vergangenheit führte die Bürgerschaft Margarethenhöhe jährlich eine Gedenkfeier durch, an der viele Vereine, Einrichtungen, Institutionen und die Kirchengemeinden teilnahmen. Das Ehrenmal am Giebelplatz besitzt vier Vorsprünge zur Aufnahme von Ehrenkränzen. Diese waren früher jedes Jahr komplett bestückt. Lange Jahre fielen die Gedenkfeiern jedoch ganz aus.

2022 organisierte der SPD-Ortsverein Margarethenhöhe wieder eine Gedenkfeier, zu der auch eine Blechbläser-Gruppe gewonnen werden konnte.

2023 organisierte der SPD-Ortsverein erneut eine Gedenkfeier, an der sich auch der CDU-Ortsverein Margarethenhöhe und die beiden Kirchengemeinden beteiligten.

2024 fand eine gemeinsame Gedenkfeier von den SPD- und CDU-Ortsvereinen und den beiden Kirchengemeinden statt.

Wie gehen andere Länder und Kulturen mit dem Gedenken um?

Viele Kulturen auf der ganzen Welt gedenken ihrer Toten, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise und durch verschiedene Rituale. Das Gedenken reicht von stillen, besinnlichen Feiertagen bis hin zu farbenfrohen und fröhlichen Festen.

Religiöse Gedenkfeiern

Christliche Kulturen: In vielen christlich geprägten Regionen, insbesondere katholischen, wird der Toten an Allerheiligen und Allerseelen (1. und 2. November) gedacht. Gräber werden besucht, geschmückt und Kerzen angezündet.

Islam: Der Tod wird als Übergang zu Gott angesehen. Beerdigungen finden so schnell wie möglich statt und es gibt spezielle Waschrituale für den Leichnam, der in ein Tuch gehüllt ist und ohne Sarg bestattet wird.

Judentum: Es gibt ebenfalls spezielle Rituale und Bräuche, die dem Gedenken an die Toten dienen.

Buddhismus: Hier steht die Idee des Lebens- und Wiedergeburtskreislaufs im Vordergrund. Die Angehörigen beten und spenden Almosen, um das Karma des Verstorbenen positiv zu beeinflussen und ihm den Weg ins „reine Land“ (eine Art Paradies) oder ins Nirvana zu ebnen. Es gibt spezielle Rituale in den ersten 49 Tagen nach dem Tod und jährliche Gedenkfeiern.

Hinduismus: Die Feuerbestattung ist die vorherrschende Bestattungsart, wobei die Asche oft in einen Fluss (wie den Ganges) oder das Meer gestreut wird, um den Kreislauf der Wiedergeburt zu unterstützen. Es gibt spezifische Rituale, die von den Hinterbliebenen durchgeführt werden.

Freudige und lebendige Feste

Mexiko (und andere lateinamerikanische Länder): Der Día de los Muertos (Tag der Toten) ist eines der bekanntesten Beispiele. Familien errichten farbenfrohe Altäre mit Fotos, Kerzen, Blumen und den Lieblingsspeisen der Verstorbenen, um deren Seelen willkommen zu heißen und ihr Leben zu feiern. Die Feierlichkeiten sind oft fröhlich und bunt.

Famadihana (Madagaskar): Bei diesem Fest, auch „Knochen-Wenden“ genannt, holen die Menschen die mumifizierten Körper ihrer Vorfahren aus den Gräbern, reinigen sie, ziehen ihnen neue Kleidung an und feiern mit ihnen.

Ma’Nene (Indonesien): Ähnlich wie bei Famadihana holen die Menschen in bestimmten Dörfern auf Sulawesi die mumifizierten Körper ihrer Ahnen aus den Gräbern, um sie zu ehren und gemeinsam zu feiern.

Wan Sart (Thailand): In diesem Fest der Landbevölkerung werden die Bilder der Verstorbenen mit Blumen geschmückt, Kerzen und Räucherstäbchen entzündet. 

Andere Formen des Gedenkens

Egungun (Nigeria): Bei diesem Fest der Yoruba-Menschen verkörpern maskierte Tänzer die Geister der Verstorbenen, um gemeinsam mit ihnen zu feiern.

Totenwache (Wake) (Irland): Eine Totenwache, bei der Freunde und Familie zusammenkommen, um Geschichten zu teilen, zu lachen und zu trauern.

Süditalien: Hier sind Totenwachen und Trauerzüge mit Gebeten üblich. Der Sarg wird oft in Familiengruften eingemauert.