DHL-Bote: „Ich mag meinen Job“

DHL-Bote: „Ich mag meinen Job“

14. Mai 2021 1 Von Sonja Mersch

Er ist mit seiner Familie in Bottrop zu Hause, trotzdem verbringt er einen großen Teil seines Tages auf der Margarethenhöhe: DHL-Bote Damian ist seit Januar 2020 für viele Straßen auf der alten Höhe zuständig und kurvt mit seinem großen, gelben Lieferwagen fast täglich durch die engen Straßen. Waldlehne, Steile Straße, Laubenweg und Kleiner Markt gehören zu seinem Lieferbezirk, Teile der Sommerburgstraße und ein Stück vom Lehnsgrund. „Das ist manchmal schon eine Herausforderung, je nachdem, wie die Leute so parken“, gesteht er lachend. „Aber ich habe ja Erfahrung, den Wagen zu fahren.“ Bei DHL, dem Paketdienst der Deutschen Post, arbeitet Damian seit fünf Jahren. „Ich habe schon viele Jobs gemacht, aber bei keinem fahre ich so gerne zu Arbeit wie bei diesem“, sagt er. „Klar gibt es auch Tage, da flucht man mal. Aber ich mache den Job tatsächlich gerne.“

Bezirk verkleinert – wegen Corona

Bevor er das erste Mal zur Margarethenhöhe kam, war Damian in der Mech ZB Steele-Horst („mechanisierte Zustellbasis“). „Dann habe ich zur Emscherbruchallee gewechselt, weil das näher an Zuhause liegt.“ Schnell bekam er die Margarethenhöhe als festen Bezirk zugeteilt. „Damals war der Bezirk noch größer, da waren noch Külshammerweg, Lührmannwald und Wortbergrode mit dabei“, erzählt er. Aber dann kam Corona, die Pakete wurden mehr – und der Bezirk infolgedessen kleiner. „Es ist nicht so, dass jetzt unbedingt mehr Leute etwas bestellen“, sagt Damian. „Es sind die gleichen Leute, aber die bestellen mehr. Es gibt Klingeln auf der Margarethenhöhe, die habe ich noch nie gedrückt.“

170 Pakete am Tag auf der Höhe

Damians Arbeitstag beginnt morgens um 8 mit dem Beladen seines Wagens in der Mech ZB Essen-Emscherbruch, ab halb Zehn startet dann meist seine Tour. Und die endet erst, wenn der Wagen leer ist – was meist gegen 15 Uhr ist. „Ich darf aber maximal zehn Stunden 45 Minuten am Tag arbeiten, wenn der Wagen dann nicht leer ist, muss ich die restlichen Pakete am nächsten Tag ausliefern.“ In Zeiten, in denen größere Paketmengen zu erwarten sind, etwa rund um Weihnachten, werde der Bezirk vorübergehend verkleinert, damit die Touren machbar bleiben. „Wir rechnen nicht nur die Paketmenge, sondern auch die Anzahl der Stopps“, erklärt der Bote. Der Mittelwert liege bei 110 Stopps am Tag – im Wagen können dann 110 Pakete sein oder auch locker doppelt so viele. „Hier auf der Margarethenhöhe habe ich meist 160 bis 170 Pakete am Tag bei 120 Stopps“, sagt Damian. Zu Beginn des ersten Lockdowns im März 2020, als sein Bezirk noch nicht verkleinert worden war, hätte er keinen Tag weniger als 200 Pakete gehabt. „Da bastelt man dann schon wie in einem Tetrisspiel, damit man die Sachen im Wagen auch wiederfindet.“

Wer bekommt welches Paket?

Was in den Paketen ist, darüber mache er sich keine Gedanken, sagt Damian. „Laut Dienstvorschrift darf ich das ja auch gar nicht wissen, und es geht mich nichts an.“ Aber es gebe ein witziges Phänomen: „Wenn ich die Pakete im Zustelldepot auf der Rutsche sehe, habe ich manchmal schon eine Vorahnung, wohin das gehen könnte – und es stimmt oft.“ Verpackung oder Firmenlogo könnten zum Beispiel verraten, dass ein Paket Hunde- oder Katzenfutter enthalte – und beim Beladen habe er dann schon im Kopf, wer das wahrscheinlich bestellt hat.

Grund zum Fluchen habe er selten, aber natürlich komme das auch vor, erzählt der Bote – etwa, wenn Pakete viel zu schwer sind. „Wir dürfen Pakete bis zu einem Gewicht von 31,5 Kilo zustellen, und es ist eher die Ausnahme, dass mal etwas zu schwer ist“, erzählt er. „Aber ich habe schonmal Bremsscheiben in die dritte Etage geschleppt – da fragt man sich dann schon, warum jemand die da oben braucht.“

Nette Nachbarn im Dorf

Die Leute auf der Margarethenhöhe erlebt er als sehr freundlich. „Bei Euch kann ich oft Pakete bei den Nachbarn abgeben und brauche noch nicht mal eine Karte einwerfen.“ Wenn er Zeit hat, unterhält er sich gerne mal mit den Kunden – seit Corona seien viele Leute zu Hause. An stressigeren Tagen freut er sich aber auch, wenn ihm zuvor ein Ablageort im Garten genannt wurde: „Wenn ich dann nicht extra anschellen muss, komme ich natürlich zügiger durch.“

Bestellungen, die er gar nicht zustellen kann, müsste Damian normalerweise nach seiner Tour zu einer Packstation oder zur Postfiliale an der Hatzperstraße fahren. „Aber ich versuche, so wenige Sendungen wie möglich nach Haarzopf zu bringen. Das passiert eher in Einzelfällen, wenn es um Nachnahmesendungen oder Identitätsprüfungen geht“, so Damian.

Seinen Wagen räumt Damian so ein, dass er einige Regale im hinteren Teil schon früh frei bekommt – denn mittags fährt er bei der Petite Papeterie Drange vorbei, um Pakete und Retouren abzuholen.

Garten, Haus und RWE

Bestellt ein DHL-Bote eigentlich selbst auch viel? „Eher nicht“, sagt Damian. „Höchstens mal ein Auto-Ersatzteil.“ Obwohl er privat auch gerne mal das Fahrrad nimmt und zum RWE-Stadion fährt. „Ich bin leidenschaftlicher RWE-Fan“, erzählt er. Da Stadionbesuche wegen der Pandemie zurzeit ausfallen müssen, genießt Damian seinen Feierabend meist im Garten oder renoviert sein Haus in Bottrop. Und freut sich auf sein zweites Kind.

Fotos: Tanja Wuschof