Neue Ausstellung im Brückenkopfhaus

Neue Ausstellung im Brückenkopfhaus

12. Februar 2020 1 Von Sonja Mersch

Das Brückenkopfhaus öffnet wieder: Offiziell ab dem 1. März gibt es hier eine neu gestaltete Ausstellung, die nicht nur für Touristen, sondern auch für Anwohner interessant sein könnte. Fast drei Monate lang war die “Heimatgeschichtliche Ausstellung” geschlossen. Während dieser Zeit haben Jürgen Malone und Manfred Raub von der Bürgerschaft Essen-Margarethenhöhe alle Bilder und Ausstellungsstücke neu sortiert, manches sogar eigens angeschafft. So gibt es jetzt zum Beispiel einen Monitor, auf dem eine Diashow mit historischen Fotos von der Margarethenhöhe zu sehen ist, ein von Elisabeth Treskow geschmiedetes Silberbesteck oder einige original Tür- und Fenstergriffe von Georg Metzendorf.

Erstmals seit der Eröffnung alles neu gestaltet

Die Ausstellung selbst wurde zum ersten Mal seit ihrer Eröffnung im Jahr 2007 neu gestaltet und ist jetzt in zwei Teile gegliedert: Im Erdgeschoss befindet sich eine sozialhistorische Darstellung der Margarethenhöhe, im Obergeschoss geht es größtenteils um die Künstlersiedlung Margarethenhöhe, der ja auch das Ruhrmuseum kürzlich eine große Ausstellung gewidmet hatte.

Im Erdgeschoss dreht sich jetzt alles um das soziale Leben auf der Margarethenhöhe.

Erdgeschoss: Wohnen auf der Margarethenhöhe

Ganz neu im Erdgeschoss ist ein Monitor, über den eine Diashow mit historischen Bildern flimmert. Die Fotos stammen aus dem Buch “20 Jahre Baugeschichte 1909-1929”, das nur in limitierter Auflage existiert – ein Exemplar davon liegt in einer Vitrine im Obergeschoss, der Einband wurde von Frida Schoy gestaltet, einer der hier einst beheimateten Künstlerinnen. Die Diashow zeigt außerdem Bilder aus dem Buch “Siedlungen und Bauten, 1920”.

An den Wänden dokumentieren Bilder, die teils aus dem Archiv des Ruhrmuseums stammen, die Wohnsituation auf der Margarethenhöhe in den 1920er Jahren und stellt sie den teils katastrophalen Zuständen in anderen Essener Quartieren, etwa der Arbeitersiedlung Segeroth, gegenüber. Gezeigt werden Außen- und Innenansichten von Wohnungen und Häusern, und dabei wird deutlich, wie wegweisend die Planungen Georg Metzendorfs im Sinne eines humanen Wohnungsbaus damals bereits waren.

Auf einem Monitor gibt es jetzt eine Diashow mit historischen Fotos.

In der Vitrine in der Mitte des Raums liegen Pläne über die Entwicklung der Firma Krupp in Essen sowie alte Mietverträge, noch handgeschrieben, mit interessanten Details über die Mietpreise von 1916 bis in die Jahre der Inflation um 1923. Auch über die Einwohnerstruktur auf der Margarethenhöhe gibt es hier original Aufzeichnungen. “Die Margarethenhöhe war nie eine Arbeitersiedlung”, betont Jürgen Malone. Vielmehr wurde die Stiftung durch Margarethe Krupp als “Krönung des Krupp’schen Sozialwerkes” bezeichnet.

Ein Postkartenset mit 12 historischen Postkarten von der Margarethenhöhe.

Einige “Schätzchen” können Besucher der neuen Ausstellung in der Wandvitrine bewundern: Manfred Raub hat aus seiner privaten Sammlung ein Postkartenset zur Verfügung gestellt, das die Margarethe Krupp Stiftung für Wohnungsfürsorge bereits kurz nach Fertigstellung der ersten Häuser herausgegeben hatte und das zwölf Motive der Siedlung zeigt. “Schon damals war allen sehr bewusst, dass die Margarethenhöhe etwas Besonderes ist”, sagt Manfred Raub. Aus seinem privaten Eigentum stammt auch eine Eine-Mark-Silbermünze von 1905, die in der Vitrine zu sehen ist.

Einige Exponate hat die Bürgerschaft über die Schreinerfirma Sirges besorgt, die noch heute oft in der Siedlung tätig ist. Ein original Türklopfer mit Anschlagplatte nach Entwürfen von Georg Metzendorf sowie Olivenfenster- und Oliventürgriffe, die erst 2019 ausgebaut worden sind, kann man jetzt in der Vitrine betrachten.

Obergeschoss: Die Künstlersiedlung Margarethenhöhe

Im Obergeschoss fehlt zunächst einmal das markanteste Ausstellungsstück: Die Plastik “Spielender Bär” von Josef Enseling war ja ebenfalls im Ruhrmuseum ausgestellt, soll aber in der kommenden Woche ins Brückenkopfhaus zurückgebracht werden. Neben den obligatorischen Tafeln zu Georg Metzendorf widmet sich die obere Ausstellung vor allem den Künstlern der Margarethenhöhe. Alle Künstler der von Hermann Kätelhön gegründeten Künstlerkolonie Margarethenhöhe sind auf einer großen Tafel mit Foto und wichtigen Daten und Werken aufgelistet.

Im Vitrinentisch in der Raummitte liegt ein ungewöhnlich modern anmutendes Silberbesteck von Elisabeth Treskow aus den 1920er Jahren, an der Wand daneben hängt ein Foto von einem ihrer Schmuckstücke – die Goldschmiedin galt als Wiederentdeckerin der etruskischen Granulationstechnik, bei der kleine Goldkügelchen auf Goldgrund aufgelötet werden. Für die Stadtvase mit dem Wappen der Stadt Essen aus der “Keramischen Werkstatt Margaretenhöhe” wurde eigens eine neue Einzelvitrine angeschafft. Insgesamt hat die Bürgerschaft einen Zuschuss von 2000 Euro vom Heimatministerium des Landes Nordrhein-Westfalen bekommen, um Exponate, Rahmen, Vitrinen oder etwa den Monitor anschaffen zu können.

In der ersten Etage geht es um die Künstler – unter anderem sieht man die Stadtvase aus der Keramischen Werkstatt.

In einer Ecke der oberen Etage finden Besucher übrigens weiterhin einige Schautafeln zu Zerstörung und Wiederaufbau der Margarethenhöhe im Zweiten Weltkrieg – vorher war dies das zentrale Thema der Ausstellung im Erdgeschoss. “Wir wollten es nicht ganz weglassen, weil die Frage danach in fast jeder unserer Führungen auftaucht”, erklärt Jürgen Malone.

Die Mitglieder der Bürgerschaft haben im vergangenen Jahr immerhin 221 Gästeführungen über die Margarethenhöhe betreut – jede davon hat ihren Ausgangspunkt im Brückenkopfhaus, wo sich die Besucher einen ersten Eindruck verschaffen können. “Die Ausstellung ist ja selbsterklärend”, sagen Jürgen Malone und Manfred Raub. Und außerdem jetzt noch einmal übersichtlicher und besser strukturiert, finden beide. Durch den neuen Fokus könnten auch Anwohner, die sich eigentlich bestens auf der Margarethenhöhe auskennen, hier nochmal etwas Neues entdecken.

Nach wie vor ist der Eintritt in die Ausstellung im Brückenkopfhaus kostenlos. Die Öffnungszeiten bleiben die gleichen wie vor der Umgestaltung: mittwochs, samstags und sonntags von 15 bis 17.30 Uhr – oder einfach schauen, wann die gelbe Fahne draußen steht.

Fotos: Tanja Wuschof