MKS-Chef spricht Klartext

MKS-Chef spricht Klartext

4. Mai 2019 14 Von Sonja Mersch

Das Neubauprojekt der Margarethe Krupp-Stiftung am Lehnsgrund bewegt die Gemüter. Nachdem die Pläne für neue Wohnungen und ein Verwaltungsgebäude in einem WAZ-Artikel detailliert vorgestellt wurden, haben viele von Euch Fragen, Befürchtungen und auch Unmut geäußert. Für mich Grund genug, mit Stiftungsvorstand Michael Flachmann (Foto: MKS) darüber zu sprechen.

Herr Flachmann, können Sie uns erklären, warum die Stiftung dieses Neubauprojekt eigentlich angestoßen hat?

Michael Flachmann: Wenn man sich das gesamte Grundstück ansieht, ist klar, dass man dort etwas tun muss. Die Wohnungen sind klein und vom Zuschnitt nicht sehr gefragt, und überall liest man, dass es wichtig ist, neuen Wohnraum für Senioren und Familien zu schaffen. Dies ist eine der wenigen Flächen, mit der wir dazu beitragen können.


So sieht es dort aktuell aus – Fotos von Tanja Wuschof:


Die Stiftung bekommt dort auch ein neues Verwaltungsgebäude – warum?

Michael Flachmann: Unsere Verwaltung an der Sommerburgstraße zu modernisieren, ist nicht so einfach. Wir haben nicht viel Platz, müssen aber immer mehr Mitarbeiter unterbringen. So haben wir dauerhaft zwei Auszubildende und einen Werkstudenten, und Herr Roll übernimmt immer mehr Verwaltungsaufgaben, hat aber kein eigenes Büro zur Verfügung. Für Besprechungen nutzen wir schon Räume am Laubenweg, aber das kann nur eine Übergangslösung sein. Außerdem gibt es keine Möglichkeit, im bisherigen Gebäude einen Aufzug einzubauen, damit ältere Menschen sich nicht die Treppen hochquälen müssen.

Zu den Vorgaben für den Architektenwettbewerb gehörte unter anderem, dass der Neubau in die Siedlung passen soll. Auf viele Anwohner wirken die Pläne aber sehr modern und damit unpassend.

Michael Flachmann: Die Wohngebäude sollen zur Straße hin schon das Bild der Margarethenhöhe wiederspiegeln. Die Skizze gibt aber noch nicht das endgültige Aussehen der Häuser wieder. Der Farbton der Fassade zum Beispiel kann später hell oder auch dunkler ausfallen, auch das Satteldach wird etwas anders aussehen.

Zu den Plänen gehören Wohnhäuser und ein neues Verwaltungsgebäude für die MKS.
Foto: Margarethe Krupp-Stiftung

Wie passt das schräge Dach der neuen Verwaltung zum Ortsbild?

Michael Flachmann: Das Verwaltungsgebäude soll sich bewusst von den Wohngebäuden abheben. Das schräge Dach greift einerseits die Neigung der Satteldächer am Lehnsgrund auf, andererseits die flache Dachlinie der hohen Gebäude an der Altenau. Wir haben eine Symbiose aus beiden Elementen gewählt. Ein Neubau mit reinem Flachdach wäre ein unschöner Würfel geworden, ein reines Satteldach wäre aufgrund der Tiefe des Gebäudes nicht möglich gewesen. Insgesamt soll der Neubau aber ruhig modern rüberkommen.

Für wen sind die neuen Wohnungen denn gedacht und werden sie bezahlbar sein?

Michael Flachmann: Es wird einen Mix geben aus zweieinhalb bis viereinhalb Raum Wohnungen, das heißt, es können sowohl Senioren als auch junge Familien mit Kindern einziehen. Die Mieten werden marktüblich und damit natürlich teurer sein als in den alten Gebäuden. Aber man muss bedenken, dass ein Neubau immer effizienter zu nutzen ist als ein modernisierter Altbau. Vielleicht entscheiden sich Menschen von der Margarethenhöhe zu einem Umzug, oder es kommen Menschen aus dem Umkreis, die schon länger damit liebäugeln, auf die Margarethenhöhe zu ziehen. Die bisherigen Mieter wurden schon im September informiert und hätten bei Interesse ein Vorrecht auf die Wohnungen.

Die Rückseite der neuen Wohnbebauung soll mit viel Grün gestaltet werden.
Foto: Margarethe Krupp-Stiftung

Eine Tiefgarage mit 100 Stellplätzen soll den bisherigen Garagenhof ersetzen. Wer darf künftig dort parken?

Michael Flachmann: Es wird Parkplätze für die künftigen Mieter der neuen Wohnungen und für die Mitarbeiter der MKS geben. Auch die bisherigen Garagenmieter können dort Stellplätze bekommen, allerdings nur diejenigen, die auch auf der Margarethenhöhe wohnen und ihre Garage für ihr Auto und nicht für andere Dinge nutzen. In der neuen Tiefgarage wird es auch Plätze für e-Fahrzeuge geben.

Nicht jeder, der momentan dort eine Garage hat, bekommt also automatisch einen neuen Stellplatz?

Michael Flachmann: Nein, jeder, der wieder eine Garage möchte, muss bei uns einen neuen Antrag stellen. In der Übergangsphase vom Abriss bis zur Fertigstellung fallen die Stellplätze natürlich weg. Wir starten im Frühjahr 2020, über den Winter können die Autos also noch untergestellt werden.

Was passiert mit dem Bauhof – die Anwohner fragen sich natürlich, wo sie in Zukunft ihren Grünschnitt entsorgen können.

Michael Flachmann: Für Grünabfälle wird es wieder eine Stelle geben, wir sind zurzeit in der Überlegung, wo das sein wird. Aber es wird weiterhin kostenlos und auf der Margarethenhöhe sein.

Ein Aufschrei geht durchs Dorf, weil die Autowerkstatt Kallidat ebenfalls abgerissen wird und noch nicht klar ist, wie es für den Betrieb weitergeht.

Michael Flachmann: Uns bewegt die gleiche Sorge. Die Werkstatt gibt es dort schon seit Generationen und sie wird gerne genutzt. Dennoch ist der Standort nicht unbedingt optimal. Herr Kallidat möchte auf der Margarethenhöhe bleiben, das kann ich verstehen. Allerdings haben wir das Problem, dass es hier eigentlich keinen Standort gibt, um eine neue Werkstatt zu bauen. Ein Grundstück neben der Freiwilligen Feuerwehr wäre denkbar, jedoch wurde unsere Bauvoranfrage negativ beschieden, weil es sich dort um ein Wohngebiet handelt.

Und wie geht es nun weiter?

Michael Flachmann: Wir haben Widerspruch eingelegt und hoffen, dass die Stadt einen Weg findet. Die baurechtlichen Möglichkeiten können wir leider nicht beeinflussen. Wenn Herr Kallidat in einen anderen Stadtteil ziehen müsste, würden wir ihn ebenfalls unterstützen.

Die Stiftung hat von vornherein gewusst, welche Schwierigkeiten der Neubau für die Werkstatt Kallidat nach sich ziehen würde. Warum wurde trotzdem so entschieden?

Michael Flachmann: Jedem ist klar: Wir brauchen neuen Wohnraum, aber wir haben keine freien Flächen. Überall müssen Abstriche gemacht werden, und mir tut es sehr Leid für Herrn Kallidat. Wir hoffen, dass es ein gutes Ende für alle geben wird. Mit einer Entscheidung vom Bauamt rechnen wir noch im Mai.

Die Werkstatt von Jens Kallidat muss dem Neubau weichen – einen neuen Standort für den Traditionsbetrieb gibt es noch nicht.
Foto: Tanja Wuschof

Zum Weiterlesen: Bericht über Jens Kallidats Werkstatt und seine Existenzsorgen und Reaktionen von Politik und Verbänden.