Fördertürme mit Lack

Fördertürme mit Lack

10. November 2019 2 Von Sonja Mersch

Die Margarethenhöhe ist ein perfekter Ort für Künstler – auch heute noch. Christoph Brée ist einer von ihnen – manche kennen ihn schon, manche vielleicht noch nicht. Er bearbeitet unter anderm Fotoaufnahmen von Fördertürmen mit Lackfarben auf Leinwand. Einige seiner aktuellen Werke sind sogar in seinem eigenen Garten auf der alten Margarethenhöhe entstanden – und das unter erschwerten Bedingungen. Anschauen kann man sich die Bilder in seiner Ausstellung „Fördergebiet“ in Haus Ripshorst in Oberhausen – etwa 20 Minuten von hier. Wir haben uns auf den Weg gemacht, und es hat sich gelohnt (Fotos, außer Repros: Tanja Wuschof).

Als Künstler hat sich Christoph Brée den Namen N.K.Mip gegeben, und er bezeichnet sich selbst als „Der malende Banker“ – ein Hinweis auf seinen eigentlichen Beruf. Mit der Kunst verbringt er jedoch sehr viel Zeit, und das schon seit gut zwölf Jahren. Für seine aktuellen Arbeiten hat er sich mit Fördertürmen beschäftigt, die er im ganzen Ruhrgebiet zunächst einmal fotografiert hat. Nicht nur Zollverein, sondern auch Zeche Sterkrade, Prosper Haniel, Bonifacius oder Osterfeld sind dabei. Die Aufnahmen bilden die Basis für Christoph Brées Werke – doch es passiert eine Menge mit den Bildern, bis sie in der Ausstellung hängen.

„Ich schaue mir die Aufnahmen an, suche passende Ausschnitte und ändere sie dann erst einmal auf Schwarzweiß“, erklärt der Künstler. „Danach helle ich das Bild so stark auf, bis sich die scharfen Konturen auflösen.“ Erst im nächsten Schritt kommt dann wieder Farbe dazu – und zwar werden die Fotoleinwände mit Acrylfarbe lasiert. „Danach folgt ein großer Schritt, bei dem alles sehr zügig gehen muss“, erzählt Christoph Brée. „Ich trage eine Mittelschicht Klarlack auf, meist mit einer Rolle, und in diesen Klarlack arbeite ich Schwarzlack und andere Lacke mit ein.“ Dabei verwendet er auch Wasser, um die Farben verlaufen zu lassen, oder Brennspiritus, um sie an einigen Stellen wieder zu reduzieren.

Jedes Bild erhält so eine ganz eigene Farbstimmung: Zeche Osterfeld geht ins Grüne, Sterkrade zeigt sich in Blautönen mit Weiß und Grau. Dass er die Zeche Zollern in Dortmund mit Schwarz-Gelb-Verläufen gestaltet hat, wundert vermutlich niemanden. Manche Kunstwerke hängen in großen Formaten an der Wand, andere kann man in etwas kleineren Schaukästen bewundern. Oft ist die eigentliche Fotoaufnahme kaum noch zu erkennen, weil die Farben sehr intensive eigene Strukturen und Muster bilden. „Das Schöne für mich ist, wenn der Betrachter etwas in meinen Werken sieht – auch wenn es zum Beispiel ein Elefant ist“, sagt Christoph Brée. In manche Arbeiten hat er sogar rostige Metallteile oder kleine Kohlestücke integriert. Und in einem Schaukasten zeigt er all die Hilfsmittel, die er beim Arbeiten verwendet: Klarlackdose und Rolle, Pinsel und Spritze – und auch eine Frisbeescheibe als Malpalette.


Hier einige Werke, die in der Ausstellung zu sehen sind (Repros: Jürgen Brinkmann):

Eigentlich, so erzählt der Künstler, male er gar nicht zu Hause – Lackfarben an Gardinen und Möbeln machten sich schließlich nicht besonders gut. „Darum fahre ich jedes Jahr mit meiner Frau nach Frankreich an die Loire und nehme mein komplettes Material mit.“ Diesmal habe ihm jedoch eine Autopanne einen Strich durch die Rechnung gemacht – mit der Folge, dass etwa zehn Bilder kurz vor Ausstellungsbeginn noch gar nicht fertig waren. Einziger Ausweg: Alles in den Garten auf der Margarethenhöhe schaffen und dort fertig malen. „Es war ein sehr heißer Sommer, also musste ich um sechs Uhr morgens aufstehen und unter einem Pavillon arbeiten“, erinnert er sich. „Irgendwann knallte aber auch da die Sonne drauf, so dass der Lack schon anfing, Wellen zu schlagen und sich zusammenzuziehen.“

Kunst unter erschwerten Bedingungen also. Aber am Ende ist doch alles gut geworden. Wer Lust hat, sich die rund 30 Kunstwerke selbst einmal anzuschauen, hat noch bis zum 15. Dezember Gelegenheit dazu.

Ausstellung „Fördergebiet“
RVR Besucherzentrum Emscher Landschaftspark
Haus Ripshorst
Ripshorster Straße 306
46117 Oberhausen

Öffnungszeiten:
bis zum 15. Dezember
dienstags bis sonntags
10-17 Uhr

Im Dezember können sich interessierte Besucher auch mit dem Künstler zu einer Führung vor Ort verabreden.
Kontakt:
Christoph Brée / N.K.Mip
Telefon: 0173/3221319
Mail: nk@neuekunstmip.de
Instagram: @neuekunstmip