Besuch im Ruhrmuseum

Besuch im Ruhrmuseum

14. April 2019 1 Von Sonja Mersch

Vermisst ihr unsere Margarethe auch schon ein bisschen? Sie steht noch bis Januar 2020 im Ruhrmuseum, zusammen mit anderen Leihgaben für die Ausstellung “Aufbruch im Westen. Die Künstlersiedlung Margarethenhöhe”. Als Mieter der MKS bekommt ihr einen Gutschein für freien Eintritt – ihr findet ihn im nächsten Mietermagazin. Wollt ihr wissen, ob es sich lohnt, hinzugehen?

Aus meiner Sicht definitiv: Ja! Allein, die Säerin frisch herausgeputzt in einem ganz anderen Kontext zu sehen, ist es schon wert. Sie ist das Herzstück der Ausstellung mit über 700 Exponaten im Untergeschoss des Ruhrmuseums. Der spärlich, aber stimmungsvoll beleuchtete Raum hat eine ganz spezielle Atmosphäre, die mir sofort beim Reinkommen auffiel.

Die Säerin von Joseph Enseling ist das Herzstück der Ausstellung, links im Bild sieht man die Skulptur “Hahn und Huhn” von Richard Malin. Copyright: Ruhr Museum, Foto: Deimel+Wittmar

Direkt am Eingang, noch bevor es richtig losgeht, bleibt man aber erst einmal vor einer alten Schwarzweißaufnahme des Schatzgräberbrunnens stehen, an dem Kinder in feinen Kleidchen und mit Hüten auf den Köpfen spielen – ganz ähnlich, wie unsere Kinder es heute noch tun. Ohne die Hüte natürlich, aber mit der gleichen Faszination für den Brunnen und das plätschernde Wasser. Vielleicht geht es vielen wie mir: Man geht sofort ganz nah heran an das Bild und sucht nach Details. Was ist anders, was genauso wie heute?

Schatzgräberbrunnen von Joseph Enseling auf der Margarethenhöhe, um 1912. Copyright: Fotoarchiv Ruhr Museum, Foto: Anton Meinolz

Die Ausstellung erzählt chronologisch in sechs Kapiteln die Geschichte der Künstlersiedlung Margarethenhöhe. Als erstes geht es um die Architektur, im weiteren Verlauf um die Künstler und deren Werkstätten, und in den Seitenräumen werden die einzelnen Künstler und einige ihrer Werke gezeigt. Die Ausstellung schließt mit der Geschichte Essens als Folkwangstadt.

Den Architekturteil fand ich sehr spannend, obwohl – oder gerade weil? – mir die Straßenzüge und Häuser so vertraut sind. An den Wänden hängen nicht nur ein paar original Fensterrahmen, sondern auch Metzendorfs Skizzen von Hausfassaden und Grundrissen. Besonders toll: Es gibt ein riesiges Modell der alten Margarethenhöhe, auf dem man jede Straße erkennen und sogar sein eigenes Haus finden kann.

Modell der Margarethenhöhe, vermutlich 1940er Jahre, Copyright: Ruhr Museum, Foto: Rainer Rothenberg

Wer will, kann dann je nach Interessen richtig eintauchen in die Geschichte der Künstlersiedlung Margarethenhöhe: Es gibt Skizzen, Fotos und Dokumente zum Bau des Kleinen Atelierhauses 1919 und des Großen Atelierhauses 1929, Exponate aus den Keramischen Werkstätten, abstrakte Gemälde, Werke von Bildhauern, Buchbindern, Grafikern, Goldschmieden.

Toll fand ich das “Stahlbuch”, das Gästebuch der Stadt Essen, das 1935 von Frida Schoy angefertigt wurde. Beeindruckend auch die Amtskette des Essener Oberbürgermeisters und die Meisterschale des Deutschen Fußballbundes (Kopie, beides von Elisabeth Treskow), die so glänzt, dass man davon geblendet wird.

Säerin in bester Gesellschaft

Zu sehen sind auch Gemälde, original Möbel sowie das Skulpturenpaar “Adam und Eva”, die Steinskulptur “Der Spielende Bär” und eines der beiden Katzenpaare von Will Lammert, die normalerweise die Bögen des Robert-Schmohl-Platzes zieren. Es ist ein seltsames Gefühl, all diese vertrauten Kunstwerke an einem so anderen Ort zu sehen, aber: Sie sind in bester Gesellschaft und finden in der Ausstellung viele Bewunderer.

Mein persönliches Highlight war übrigens der Moment, als drei Besucher vor dem Modell der Siedlung standen und sich auf Englisch darüber unterhielten, ob das wohl tatsächlich alles so gebaut worden sei. Und ich sagte: “Yes – I live there!” (“Ja – ich wohne dort!”). Wir kamen sehr nett ins Gespräch, und die kleine Gruppe beschloss, noch im Anschluss einen kleinen Ausflug auf die Margarethenhöhe zu machen.

Wiedersehen macht Freude: Hahn und Huhn, Säerin und Katzenskulptur im Hintergrund, Spielender Bär rechts im Bild und das Siedlungsmodell vorne. Copyright: Ruhr Museum, Foto: Deimel+Wittmar

Freier Eintritt: Gutschein für Anwohner

Die Ausstellung im Ruhrmuseum ist noch bis zum 5. Januar 2020 täglich bis 18 Uhr geöffnet. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sowie Schüler und Studierende unter 25 Jahren haben freien Eintritt, alle anderen zahlen 7 Euro – es sei denn, sie wohnen als Mieter der MKS auf der Margarethenhöhe: Dann gibt es im nächsten Mietermagazin einen Gutschein, mit dem zwei Erwachsene kostenlos in die Ausstellung dürfen – das hat mir das Ruhr Museum bestätigt.

Übrigens: Parallel zur Ausstellung im Ruhrmuseum gibt es im Kleinen Atelierhaus an der Sommerburgstraße 18 eine Ausstellung mit Grafiken von Hermann Kätelhön. Sie beginnt am 6. Mai und endet am 9. Februar 2020, dem hundertsten Jahrestag von Kätelhöns Einzug. Öffnungszeiten sind Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei.

Hier der Link zur Ausstellung imRuhrmuseum.